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  #1  
Alt 09.07.2010, 19:11
Keturina Keturina ist offline
 
Beiträge: 5
Böse Eltern / Lehrern verzeihen

Hi Ihr Lieben,

ich verfasse gerade meinen ersten Beitrag und hoffe, dass es dieses Thema nicht schon gibt (habe aber nichts gefunden).

Ich bin umgeschult. 1989 noch! Ich war in der ersten Klasse, und ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie wir eine Schreibübung machten, und meine Lehrerin kam zu mir an den Tisch, beugte sich runter und sagte: Deine Mutti hat mich gestern angerufen und gesagt, dass du ab jetzt mit rechts schreiben sollst.
Ich war völlig entsetzt, weil ich dachte, ich hätte etwas falsch gemacht, und wollte es natürlich gleich wieder gutmachen, strebsam wie ich war, und habe sofort getan, was mir gesagt wurde.

Ich führe, wie Ihr wohl alle, heute diverse Phänomene darauf zurück.
Z.B. kann ich überhaupt nicht zeichnen, was ich sehr schade finde, denn eigentlich halte ich mich für einen sehr kreativen Menschen bzw. ich wäre es gerne.
Dann die Peinlichkeit im Sportunterricht, wenn ich wieder mal nicht wusste, ob ich nun mit links oder rechts werfen sollte, was dann beides gleich kläglich endete und ich dann irgendwann als letztes in jede Mannschaft kam. Würde vielleicht auch gerne Sport machen, aber aufgrunddessen: Fehlanzeige, und das hat wiederum Auswirkungen auf den Körper...

Psychische Probleme habe ich auch, aber das kommt sicher auch von vielen anderen Ursachen und verdient vielleicht woanders Diskussion.

Und noch vieles anderes....


Aber nun zum Punkt: Ich kann es meiner Mutter nicht verzeihen, dass sie da angerufen hat und meiner Lehrerin gesagt hat, dass sie mich umschulen soll. Wenn eine Lehrerin auf die Idee käme, mein Kind umzuschulen, würde ich ausrasten, dass sie es sich nicht vorstellen kann, und anstatt ihre Kinder vor so etwas zu beschützen, hat meine Mutter dazu auch noch selbst die Idee gehabt.

Und meine Lehrerin verdamme ich dafür, dass sie das einfach getan hat und ihr nicht gesagt hat, dass so etwas schädlich ist. Als "Pädagogin". Im Jahr 1989. Und nicht im Mittelalter, wo man noch sagen konnte, ok, man hat's halt nicht besser gewusst.

Ich habe im Laufe der Jahre meine Mutter das eine oder andere Mal darauf angesprochen, aber immer kam nur "ach du bist doch beidhändig" (Ich bin definitiv NICHT beidhändig, ich kann mit rechts nicht mal einen Löffel halten!)

Irgendwann habe ich ihr dann solche Vorwürfe gemacht, dass sie anfing zu weinen, was mir dann wiederum Leid getan hat und seitdem habe ich es nie wieder angesprochen.


Aber die Gefühle sind immer noch da. Ich weiß, dass es ja jetzt nichts mehr bringt, denn es ist zu spät und man kann höchstens noch Schadensbegrenzung betreiben, aber ich frage mich, wie ich es anstellen kann, dass ich da nicht immer gedanklich darauf herumreite. Das bringt mich ja auch nicht weiter.

Vielleicht hat jemand einen Tipp / Erfahrungen?

Danke
liebe Grüße
Keturina
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  #2  
Alt 09.07.2010, 21:47
Sigrid Sigrid ist offline
 
Beiträge: 357
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hallo Keturina,

Das mit dem Verzeihen ist schon eine schwierige Sache.

Ich denke mal, Deine Mutter hat es nur gut gemeint. Sie wollte Dich davor schützen, zu einer benachteiligten Minderheit zu gehören. Damals ging man ja davon aus, dass es sich bei bis zu 10% Linkshändern eindeutig um eine Minderheit handelt. Wenn man heute über einen bis zu 50/50 Schnitt spekuliert, spielt ja der Minderheitengedanke keine Rolle mehr, nur noch der Benachteiligungsgedanke.

Auch wenn man 1989 in Bezug auf Linkshändigkeit schon etwas schlauer war, wer ist denn schon „man“? Doch nicht die Normalmutter. Zu dieser Zeit wurde Erziehung noch nicht so kommuniziert im Internet, Elternschulen, Ratgebern, wie es heute der Fall ist.

Ich habe damals in dem Zeitraum meine Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Natürlich habe ich gelernt, dass man Linkshänder nicht umschulen darf und dass ich auch Eltern immer davon abraten sollte. Ich weiß ja nicht, wie alt diese Lehrerin war, aber ihre Ausbildung war damals evtl. schon 20 – 30 Jahre her, die hat das nicht gelernt. Zu der Zeit ist man ja auch nicht so offensiv mit solchen Dingen auf altgediente Lehrkräfte zugegangen im Sinne „Neue Erkenntnisse, bilde Dich mal fort“.

Was ich damals nicht gelernt habe ist, dass Kinder sich auch selbst umschulen, dass habe ich gerade erst am lebendigen Beispiel erfahren und vor 6 Jahren hat mir eine Ergotherapeutin (hat ja auch etwas gelernt) bescheinigt, dass mein Sohn Rechtshänder sei. Heute weiß ich es besser.

Und ich hoffe inständig, dass mein Sohn mir verzeiht, dass ich es damals nicht wusste, dass ich mich mit der Meinung zufrieden gab, dass ich evtl. auch Fehler gemacht habe (Becher aus Gewohnheit rechts hingestellt z.B.).

Zitat:
Zitat von Keturina Beitrag anzeigen
Irgendwann habe ich ihr dann solche Vorwürfe gemacht, dass sie anfing zu weinen, was mir dann wiederum Leid getan hat und seitdem habe ich es nie wieder angesprochen.
Ich denke, in diesem Augenblick hat Deine Mutter Dich um Verzeihung gebeten – nicht mit Worten. It‘s your turn.

@Keturina: Schau auf heute und auf morgen!
Guck, wo Du heute bist und wie es Dir damit geht und guck auf Dein Morgen, ob Du weiterhin so leben kannst oder etwas ändern möchtest.
Vergiss die Vergangenheit mit Deiner Mutter und plane mit ihr gemeinsam Eure Zukunft.

Ich weiß, es hört sich fürchterlich einfach an, erscheint aber gleichzeitig unendlich schwer. Ich wünsche Euch, dass Ihr einen Anfang findet.

Herzliche Grüße
Sigrid


EDIT: Ach ja, und herzlich willkommen hier im Forum, bin auch erst seit kurzem dabei

Geändert von Sigrid (09.07.2010 um 21:53 Uhr). Grund: Begrüßung
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  #3  
Alt 09.07.2010, 23:09
KerstinB KerstinB ist offline
 
Beiträge: 1.206
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hallo Keturina,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier!

Ich finde es sehr gut, dass Du diesen thread erstellt hast! Und dann gleich noch als 1. Amtshandlung! Respekt!

Selbst habe ich z. B. keine bewusste Erinnerung an meine Umschulung, allenfalls Ahnungen, mittlerweile immerhin Gefühle/Bilder, die seit meiner Rückschulung "hoch"-kommen. Meine Umschulung passierte wohl schon ganz früh, in der Krippe (wo ich ab dem 6. Monat war...) im KiGa usw.

Im Jahr 1989 kamen Umschulungen, veranlasst durch "Dritte" (Eltern, Kiga, Schule usw.), sicherlich auch noch viel häufiger vor als heute.

Selbst gegenwärtig kommt dies aber noch viel zu oft vor, auch bei/von Leuten, die es eigentlich besser wissen könnten oder müssten, die aber aus diversen Gründen an diesem Punkt einen "blinden Fleck" haben.

Manchmal kann es auch die eigene unverarbeitete oder unbewusste Umschulung sein, ohne dabei in der Gegenwart nun einen "bösen Willen" zu haben. Manchmal ist es - bis heute - auch blanke Unwissenheit - trotz Internet, Büchern usw. Vielen von uns hier ging es ja selbst nicht anders - bis man - durch welchen Anlass auch immer - "endlich" auf dieses Thema stieß, es fand, eine Tür sich öffnete.

Selbst und gerade in der Wissenschaft und Fachpraxis sowie bei vielen Fachleuten (wie Psychologen, Ärzten, Professoren, Lehrern) ist das Thema "umgeschulte Händigkeit und Umschulungsfolgen" nahezu immer noch unbekannt oder wird unterschätzt oder ignoriert, warum auch immer.

Gut, man weiss zwar überwiegend, dass LH in der Schule nicht mehr rechts schreiben sollen usw., aber wirkliches Wissen und Interesse an den Umschulungsfolgen und dass es nach wie vor zu Umschulungen kommt, bleibt leider immer noch auf der Strecke, jdf. scheint es "flächendeckend" noch nicht angekommen zu sein.

Ich sehe dies bezogen auf Deine Mutter daher ähnlich wie Sigrid.

Natürlich hat man eine große Wut, vor allem wenn man weiss, dass sogar noch ein "Anruf" der eigenen Mutter in der Schule dazu erfolgte: Aber hätte sie das auch gemacht, wenn ihr all dies bewusst gewesen wäre, was wir - zumindest im Forum hier -darüber wissen, selbst erfahren/uns "erarbeitet" oder zugelassen haben?

Der 1. Schritt ist m. E. immer erst Mal das Fühlen und Zulassen von Wut.

Verzeihen entwickelt sich und braucht seine Zeit. Auch damit verbunden, wie man sich selbst verzeiht und/oder sich selbst Gutes tut.

Wenn wir den Fakt "Umschulung" und/oder "Umschulungsfolgen" bei uns selbst zulassen können, ist das schon ein 2. großer Schritt.

Und wie wir damit umgehen, der 3. Schritt.

Und dann mal schaun, was sonst so kommt. Verzeihen wird vielleicht ein weiterer Schritt bzw. Baustein sein - wenn es soweit ist.

Herzliche Grüsse, KerstinB
__________________
Go left -http://goleft.over-blog.de/-

"Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne gewesen wäre." George Eliot, brit. Schriftstellerin 1819-1880
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  #4  
Alt 10.07.2010, 00:32
Lilo Lilo ist offline
 
Beiträge: 194
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hallo Keturina,
ich schließe mich KerstinB an und möchte mit einem Zitat ergänzen:
Zitat:
"Vergeben und vergessen heißt kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen."
Artur Schopenhauer
Ich wurde auch auf den Ratschlag meiner wohlmeinenden Mutter umgeschult, die meinte, ich solle lieber mit rechts schreiben lernen, damit ich mal keine Probleme im Leben hätte. Das tat ich dann auch.
DAS hatte sie wirklich nicht besser gewusst, und damals konnte sie es auch nicht unbedingt wissen.

Da du deine Mutter im Laufe der Jahre ein paar Mal darauf angesprochen hast, und sie es im Grunde abtat, herunterspielte, kann mehrere Gründe haben:
- sie weiß es einfach nicht besser und tut es mit deiner sogenannten "Beidhändigkeit" ab
- es interessiert sie nicht (es ist bitter, dass sich die eigene Mutter nicht für die Belange und Bedürfnisse ihres Kindes interessiert, aber auch damit stehst du nicht alleine da. (Ich weiß, ein schwacher Trost.)
- Eine Mutter ist nicht per se gut und interessiert sich nicht automatisch für ihr Kind, nur weil sie seine Mutter ist. Für das Kind ist das sehr schwer zu verstehen, weil die Mutter ja die erste und, in den ersten Jahren, enge Bezugsperson ist. Das Mutterklischee (die gute Mutter) sitzt seit Jahrhunderten in den Köpfen der Menschheit fest und wird in allen Kulturen mit Bedacht gepflegt.

Du kannst versuchen, deine Mutter etwas objektiver zu sehen (sie ist ein Mensch, sie macht auch Fehler...), also dich in sie und ihre Situation hineindenken. Dass aus so einem Verstehen auch ein Vergeben resultieren sollte, stelle ich in Frage. Meiner Meinung nach nicht zwingend, siehe Schopenhauer.
Vielleicht hilft dir das etwas, damit du ruhiger wirst und den anderen weniger Vorwürfe machst.
Fühlen, Zulassen und Anerkennen der Wut sind sehr wichtig.

Ob es deine Mutter nur gut gemeint hat, weiß ich nicht. Das nimmt man so landläufig an. Es "gehört" sich, das zu denken.
Vielleicht hat es deine Mutter schlichtweg nicht interessiert. Weil sie es nicht besser wusste, vielleicht, weil sie es nicht wissen wollte. Oft ist es einfacher, bequemer, nicht wissen zu wollen (was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.) Die eigene Ruhe ist wichtiger als die Ruhe des Kindes. Und Mütter sind auch Menschen.

Dass deine Mutter weinte, als du ihr Vorwürfe gemacht hast, heißt nicht zwingend, dass sie dich damit um Verzeihung gebeten hat. Vielleicht war sie mit dem Inhalt deiner Vorwürfe überfordert, von der emotionalen Wucht der Vorwürfe getroffen, vielleicht hilflos. Für manche Mütter (und Väter) ist es eine Frechheit, dass das Kind es überhaupt wagt, ihnen Vorwürfe zu machen. In der althergebrachten "Familienhierarchie" sind Kinder den Eltern unterstellt, die Eltern sind der Chef. Weinen kann auch (ich will nichts unterstellen, nur drauf hinweisen), ein Mittel sein, um Mitleid zu erzeugen. Es ist (besonders bei Frauen) ein gern genutztes psychisches Druckmittel.


Dass du auf der ganzen Sache gedanklich drauf rumreitest, heißt ja, dass du dich damit auseinandersetzt. Gut so! Ich möchte dich ermutigen, diesen wichtigen Prozess der Auseinandersetzung mit den Dingen, auch deiner Mutter, fortzusetzen, und ihn nicht in die Kiste "Verzeihen und "Vergessen" zu packen. In diesem Prozess der gedanklichen Auseinandersetzung wächst du und kommst zu neuen Erkenntnissen. Dass du dabei vielleicht auch an das Tabu "gute Mutter" rührst, erfordert Mut und Ehrlichkeit. Glückwunsch! Wenn du gedanklich nicht bei der Verurteilung deiner Mutter, Lehrerin usw. stehenbleibst, kann dich das echt weiterbringen.

LG Lilo
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  #5  
Alt 10.07.2010, 10:28
Micha.el Micha.el ist offline
 
Beiträge: 847
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hallo Keturina,

--die größte Liebe, die es gibt auf diesem Planeten ist die Mutterliebe.--

Nur deswegen hat Deine Mutter in der Schule angerufen, sie wollte nur das Beste für Dich und hat leider damit etwas sehr Falsches getan.

--So wie milliarden andere liebende Mütter...............--weltweit..

Michael
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  #6  
Alt 10.07.2010, 11:51
Chrissi Chrissi ist offline
 
Beiträge: 298
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Mir helfen zum umdenken die Hör c d`s und
http://www.sich-selbst-lieben-lernen.de
https://www.robert-betz.de/joomla/index.php
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  #7  
Alt 10.07.2010, 12:02
Ursula Ursula ist offline
 
Beiträge: 920
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hallo,

ich stehe auf beiden Seiten.
Ich bin Tochter und Mutter.

Ich liebe meinen Sohn.
Ich will, dass er froh ist, Freude am Leben hat.
Niemals wollte ich etwas tun, was ihm schadet, was er als negativ empfindet.
Es ist mir nicht gelungen, kann wohl auch nicht gelingen, weil ich ein Mensch bin mit eigenen Empfindungen, Wertvorstellungen.

Es tut weh und geht an die Substanz, wenn man im Gespräch mit seinem Kind versucht diese Dinge zu besprechen, aufzuarbeiten.

In meiner Rolle als Tochter hat es mir geholfen, die Dinge einfach so zu akzeptieren wie sie waren und jetzt sind.
Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, mit meiner Mutter "abzurechnen".
Meine Mutter ist genauso wie ich, ein Mensch mit Fehlern, Ecken und Kanten.
Sie wollte mir mit ihrem Verhalten niemals absichtlich schaden.

Ich bin erwachsen und selbst dafür verantwortlich, wie ich mit meinen Erfahrungen umgehe.

Zitat:
Zitat von Lilo Beitrag anzeigen
Dass du auf der ganzen Sache gedanklich drauf rumreitest, heißt ja, dass du dich damit auseinandersetzt. Gut so! Ich möchte dich ermutigen, diesen wichtigen Prozess der Auseinandersetzung mit den Dingen, auch deiner Mutter, fortzusetzen, und ihn nicht in die Kiste "Verzeihen und "Vergessen" zu packen.
Damit man für sich selbst einen neuen Weg einschlagen kann, muss man sich ja gedanklich auseinandersetzen.
Vielleicht reicht ja eine "Bestandsaufnahme".
Was gewesen ist, kann ich doch nicht verändern, nur meine Einstellung und Gefühle dazu.
Ich will es nicht vergessen, es gehört zu meinem Lebensweg.
Ich habe nichts zu verzeihen.
Ich will es akzeptieren.

Zitat:
Zitat von Lilo Beitrag anzeigen
Das Mutterklischee (die gute Mutter) sitzt seit Jahrhunderten in den Köpfen der Menschheit fest und wird in allen Kulturen mit Bedacht gepflegt.
Zitat:
Zitat von Micha.el Beitrag anzeigen
--die größte Liebe, die es gibt auf diesem Planeten ist die Mutterliebe.--
@Michael
dazu habe ich eine andere Meinung.

"Mutterliebe" ist nicht selbstverständlich.
Ich empfehle Dir dazu folgende Lektüre: Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute

Zitat:
Zitat von Klappentext
Die Frauen sind genauso egoistisch auf sich konzentriert wie die Männer. Mit dieser excellent recherchierten These deklariert Elisabeth Badinter die Mutterliebe zum Männer(gemachten)-Mythos und erregte damit großes Aufsehen
Mütter lieben ihre Kinder nicht automatisch, weil sie Mutter sind.
Die Liebe wächst in dem Maße, in dem ich Verantwortung übernehme.
Ich liebe auch nicht alle Kinder gleich stark.

Es gibt sicherlich auch Mütter, die ihre Kinder nicht lieben, aber trotzdem Verantwortung für sie übernehmen, sich um sie sorgen und kümmern.

Ich habe viele Gespräche mit anderen Müttern geführt.
Manche sind sich ihrer Liebe ganz sicher, einige haben ein sehr schlechtes Gewissen, weil sie an ihrer Liebe zweifeln.

Zitat:
Zitat von wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Mutterliebe
Gegenwärtig und insbesondere auch in Mitteleuropa, stellt eine von der Mutter, auch nach außen dargestellte, Liebe bis hin zur Selbstlosigkeit quasi eine Erwartungshaltung der Gesellschaft dar.....
Kann sein, dass aus dieser Erwartungshaltung erst manche Probleme entstehen.

Und noch eine Frage: was ist denn mit der "Vaterliebe"?

Hältst Du diese Aussage auch für allgemeingültig?
--die größte Liebe, die es gibt auf diesem Planeten ist die Vaterliebe.--


Nachdenklich, Ursula
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  #8  
Alt 10.07.2010, 12:39
KerstinB KerstinB ist offline
 
Beiträge: 1.206
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Zitat:
Zitat von Ursula Beitrag anzeigen
... Mütter lieben ihre Kinder nicht automatisch, weil sie Mutter sind. Die Liebe wächst in dem Maße, in dem ich Verantwortung übernehme.Ich liebe auch nicht alle Kinder gleich stark. Es gibt sicherlich auch Mütter, die ihre Kinder nicht lieben, aber trotzdem Verantwortung für sie übernehmen, sich um sie sorgen und kümmern...
... was übrigens genauso auch umgekehrt für Kinder ihren Eltern, ihrer Familie gegenüber gilt bzw. gelten kann.

Jedenfalls gibt es sehr viele Facetten, einerseits sicherlich "natürliche" Instinkte - um mal etwas kleiner anzufangen - von Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt. Andererseits bzw. genauso auch ganz persönliche Gefühle - bedingt durch die eigene (Familien-)Historie, die eigene Persönlichkeit und Entwicklung, das Umfeld usw.

Viel weniger Eltern würden z. B. wahrscheinlich Aggressionen gegen ihre Kinder entwickeln, was ja leider nicht selten vorkommt, wenn es ihnen "erlaubt" wäre bzw. sie sich dies selbst erlauben könnten, sich ihre wirklichen/echten Gefühle einzugestehen, sie "offiziell" zu leben. Der Druck "man muss doch lieben" verbunden mit den gesellschaftlichen Vorgaben, was und wie Liebe zu sein hat, können dann auch ins Gegenteil um"-schlagen". Für die eigentlichen, wahren und so vielfältigen Gefühlsfacetten bleibt kaum "Lebens"-raum, es gehört sich nicht, da "darf" man noch nicht Mal drüber nachdenken.

Zitat:
Lilo...Eine Mutter ist nicht per se gut und interessiert sich nicht automatisch für ihr Kind, nur weil sie seine Mutter ist. ... Das Mutterklischee (die gute Mutter) sitzt seit Jahrhunderten in den Köpfen der Menschheit fest und wird in allen Kulturen mit Bedacht gepflegt...
Genau - und das erleichtert eben auch nicht gerade das Suchen, Finden, Zulassen der eigenen "Mutter"-Persönlichkeit, die von Frau zu Frau (und bezogen auf Väter von Mann zu Mann) so unterschiedlich und vielfältig sein kann, wie es Menschen gibt.

Und z. B. auch "Mutter"-Gefühle im Sinne von "Lebensbejahung", "Leben schenken" zu leben, in anderer Weise Ausdruck zu verleihen, wenn frau/man vielleicht keine eigenen Kinder hat.

lG KerstinB
__________________
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"Es ist nie zu spät, so zu sein, wie man gerne gewesen wäre." George Eliot, brit. Schriftstellerin 1819-1880
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  #9  
Alt 10.07.2010, 13:30
Lisette Lisette ist offline
 
Beiträge: 118
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Ich denke, ein Verzeihen ist nur dann möglich, wenn man das Gespräch z.B. mit der eigenen Mutter sucht und diese fähig ist, einzugestehen, dass sie damals versucht hat, im besten Sinne für einen selbst zu handeln und es ihr leid tut, wenn dieses Handeln negative Auswirkungen hatte. Wenn das nicht nur so dahergesagt wird und man den Eindruck hat, dass hier auch echte Gefühle im Spiel sind, kann man sich respektiert und angenommen fühlen.

Wenn aber von der eigenen Mutter jegliche Verantwortung abgelehnt wird - was sagt das über das Verhältnis zur Tochter aus? "Deine Gefühle und damit Du als Mensch bist mir egal, was zählt, ist, das ich im Recht bleibe und als fehlerlose Person dastehe." Wenn man eine solche Reaktion erlebt - und ich habe genau diese auch bei meiner Mutter erfahren - ist das erstmal mehr als traurig für einen selbst. Weil man sich selbst fragen muss, ob man wirklich jemanden lieben kann, der einen so behandelt. Wenn Freunde sich so verhalten würden, hätte man die Freundschaft längst beendet. Warum gesteht man dann insbesondere den eigenen Eltern zu, einen selbst so respektlos zu behandeln? Weil man Erklärungen für sie findet wie "sie sind ja auch nur ein Produkt ihrer eigenen Eltern", "sie haben es nicht anders gelernt", vielleicht auch "sie haben gewisse psychische Probleme", u.s.w. Warum war man dann selbst fähig, ab einen gewissen Punkt sich selbst und seine Verhaltensweisen zu hinterfragen? Und an sich zu arbeiten, um etwas zu verändern? Z.B. eine Rückschulung in Angriff zu nehmen, weil man erkannt hat, dass die Umschulung negative Auswirkungen hatte?

Irgendwann sollte man für sich begreifen, dass man nicht mehr in dieser Abhängigkeit von den eigenen Eltern ist, wie man es als Kind war. Man ist ein erwachsener Mensch, der sein Leben selbst meistern kann und braucht nicht mehr die Vergangenheit zu verleugnen und sich selbst vormachen, seine Eltern zu lieben, nur weil das in unserer Gesellschaft so erwartet wird. Zu meinem Vater habe ich ein gutes Verhältnis (das war aber auch schon als Kind so), was auch u.a. darauf beruht, dass er sich eingestehen konnte, dass die Umschulung und andere Dinge in der Vergangenheit für mich negative Auswirkungen hatten, obwohl er das nicht beabsichtigt hatte und zu meiner Mutter bin ich aus den oben genannten Gründen mehr und mehr auf Distanz gegangen. Und es tut mir gut - endlich nicht mehr den Druck zu vespüren, ihr zeitweilig absolut indiskutables Verhalten hinzunehmen, weil sie im nächsten Moment wieder die liebe, fürsorgliche Mutter ist.
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  #10  
Alt 10.07.2010, 14:43
Keturina Keturina ist offline
 
Beiträge: 5
Standard AW: Eltern / Lehrern verzeihen

Hey, wow, schon 8 Antworten, erstmal vielen Dank an Euch alle!

Ich kann jetzt wahrscheinlich nicht auf alles genau eingehen. Heißt aber nicht, dass es nicht den Weg in meine Gedanken gefunden hat...

Ja, wo fange ich an? Ich denke schon, dass meine Mutter mich liebt, aber sie hat einfach einige für mich recht schwerwiegende Fehler gemacht. Jetzt nicht nur das mit der Umschulung. Das schlimmste ist eigentlich, dass sie so uneinsichtig ist. Soll ich es so interpretieren, wie Sigrid sagt, dass ihre Tränen eine Entschuldigung waren? Oder wie Lilo sagt, war es, weil ich sie angegriffen habe? Ich glaube - leider - das zweite. Es wäre schön, vom ersten ausgehen zu können. Meine Eltern leben in einer sehr einfachen Welt. Wenn ich ihnen das Buch von Frau Sattler zeigen würde, oder diese Seite hier, dann käme vermutlich "Jo, ich glaub, du spinnst. Wenn man keine Probleme hat..." oder so was ähnliches. Es gibt Dinge - viele Dinge - die einfach den Horizont meiner Eltern übersteigen, und da weigern sie sich auch standhaft, etwas einzusehen.

Ja, ich denke wirklich, wenn sie jemals gesagt hätte "ja, das war ein Fehler, ich wusste es nicht besser, ich wollte dir nur gut, und es tut mir leid, dass es solche Folgen hatte", dann wäre es für mich leichter, die Tatsache zu akzeptieren, dass es nun mal passiert ist.
Aber auch noch heute ist es so, wenn ich zB mit unserem bekloppten Rechtshänderdosenöffner oder sonstwas nicht zurecht komme, dass sie mich dann als "Linkdatsch" bezeichnet.

Sich davon zu distanzieren, Lisette, das wäre sicher das richtige. Das Problem ist, ich wohne (wieder) zu Hause, weil ich noch immer mit meiner Ausbildung nicht fertig bin. Es wäre bestimmt einfacher, wenn ich sie nur mal auf Besuch sehen würde, aber so bin ich ja immer hier und wie gesagt, kann ich mir noch bei Gelegenheit den Ausdruck "Linkdatsch" anhören. Ich kann da auch nicht mehr das Gespräch suchen, weil es die Atmosphäre hier ja noch mehr vergiften würde und sie sieht es ja sowieso nicht ein.

Ich sehe schon ein, dass die Durchschnittsmutter in einer Kleinstadt vielleicht in den 80ern auch noch nicht so sensibilisiert auf so eine Sache war und meine Lehrerin war tatsächlich schon Ende 50 oder so, sodass sie wohl auch wirklich nichts darüber gelernt hatte. Aber: Vielleicht denke ich nur so, weil ich betroffen bin und wir es heute alle besser wissen, aber müsste einem eigentlich nicht unabhängig von jedem Wissen klar sein, dass auch wenn es keine negativen Folgen hätte, es für ein Kind eine unheimliche Anstrengung sein muss, etwas zu tun, was gegen seine Natur geht? Dass man darauf nicht kommen kann!? Jeder Rechtshänder muss sich doch nur mal vorstellen, wie es wäre auf einmal alles mit links machen zu müssen.

Zitat:
Zitat von Sigrid Beitrag anzeigen
Was ich damals nicht gelernt habe ist, dass Kinder sich auch selbst umschulen, dass habe ich gerade erst am lebendigen Beispiel erfahren und vor 6 Jahren hat mir eine Ergotherapeutin (hat ja auch etwas gelernt) bescheinigt, dass mein Sohn Rechtshänder sei. Heute weiß ich es besser.

Und ich hoffe inständig, dass mein Sohn mir verzeiht, dass ich es damals nicht wusste, dass ich mich mit der Meinung zufrieden gab, dass ich evtl. auch Fehler gemacht habe (Becher aus Gewohnheit rechts hingestellt z.B.).
Sigrid, da würde ich mir an deiner Stelle keine Vorwürfe machen. Allein die Tatsache, dass du bei einer Ergotherapeutin warst, zeigt doch, dass du dich interessierst und kümmerst, und wenn jemand Professionelles einem etwas sagt, dann geht man ja in der Regel davon aus und kann man auch davon ausgehen, dass das stimmt, was sie sagt. Und dein Sohn wird bestimmt auch nihct sauer sein, dass du Becher rechts hinstellst, also das glaube ich wirklich nicht! denn das wäre wiederum unfair!

Da ist noch etwas anderes, denn ein bisschen mache ich mir auch selbst Vorwürfe. Wie gesagt hat die Lehrerin mich ja einmal darauf angesprochen und ich habe sofort getan, was mir gesagt wurde. Ja, vielmehr hatte ich dazu ja noch Schuldgefühle, weil ich dachte, ich habe etwas falsches getan. Ich habe das ja mit 6 Jahren überhaupt nicht verstanden. Naja, manchmal denke ich, wenn ich mich geweigert hätte, oder die Sache vielleicht nicht äußerlich so reibungslos geklappt hätte, dass sie dann gemerkt hätten, dass das nicht gut ist und mich dann vielleicht wieder mit links hätten schreiben lassen. Ich lehne diesen Gedanken eigentlich ab, denn ich konnte das mit 6 doch wirklich nicht wissen bzw. wer weiß, ob es überhaupt etwas genutzt hätte, aber auch dieser Gedanke kommt manchmal auf.

Das allerschlimmste sind aber diese "Was-wäre-wenn"- Gedanken. Kennt ihr das auch? ZB das mit dem Zeichnen. Wenn ich mich gedanklich mal wieder so richtig reinsteigere, denn denke ich "wer weiß, vielleicht wäre aus mir ja ein berühmter Künstler geworden" oder vielleicht wäre ich eine Sportskanone geworden, wenn ich gewusst hätte, mit welchem Arm ich werfen soll, oder eine Mathematikerin, wer weiß, was ich alles hätte machen können! Besonders auch ohne die psychischen Probleme. Dabei weiß ich ja gar nicht, ob ich überhaupt zeichnerisches Talent oder sonstiges gehabt hätte. Aber das ist ja gerade das schlimme, es nicht zu wissen. Dass meine Eltern und die Lehrerin mich dieser Chance beraubt haben, das ist für mich das schlimme. Denn selbst wenn man nun eine Rückschulung machen würde, es gibt Sachen, in denen wird man gut, weil man sie von Kind an geübt hat, und das kann man nie wieder aufholen. Und damit hadere ich so sehr.

So, ich glaub, das reicht erstmal

Freue mich, weiter von EUch zu lesen
Danke
Keturina
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