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  #1  
Alt 16.03.2017, 09:40
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 54
Idee intrinsische und extrinsische Motivation

Liebe Leute, mich würde mal Eure Meinung zur folgender Erkenntnis interessieren:
Gestern hatte ich ja einen Rückschlag, der durch exzessives Benutzen der rechten Hand verursacht wurde. Dieser Rückschlag hat mich aber auch dazu gebracht, in mich zu gehen und da habe ich eine Veränderung der Motivation gefunden.
Früher habe ich Aufgaben erledigt, weil ich sie erledigen musste. Ich habe mich extrinsisch motiviert. Jede investierte Zeit musste ein (möglichst finanziell oder wenigstens sozial oder gesundheitlich brauchbares) Ergebnis produzieren: Aufgaben für die Arbeit (solange ich eine hatte), die Wohnung putzen, Sport machen. Spaß war keine Motivation. Kreativer Ausdruck war nutzlose Zeitverschwendung. Entspannung und Träumen sind fast schon Verbrechen gewesen. Irgendwann (nicht zuletzt weil ich ja aus der produktiven Gesellschaft ausgeschieden bin) habe ich mich damit abgefunden. Ich MUSSTE eine Aufgabe erledigen und habe mich dann mit einem Kapitel Buch, ein paar Runden eines Computerspiels, ein paar Minuten zeichnen oder basteln oder etwas Schokolade belohnt. Ein Teil von mir starb immer mehr.
Seitdem ich mehr mit links tue, hat sich meine Motivation vollkommen gewandelt, ist intrinsisch geworden. Ich sehe mir Tutorials nicht mehr an, weil ich mir eine Fähigkeit aneignen muss, sondern ich entdecke die Welt, die sich mir durch diese Fähigkeit auftut. Und die Welt, die in mir steckt. Das ist aufregend. Ich räume auf und putze, weil ich es mag, wenn es sauber ist und wenn ich alles finde, aber nicht mehr "weil man das eben macht". Und wenn ich mal nicht will, dass lasse ich es. Ich muss ja hier leben, niemand anderes (okay, mein Mann auch, aber dem ist am Wichtigsten, dass ich mich wohl fühle). Wenn ich mich bewege, dann aus Freude an meinem Körper und nicht, weil ich fitter werden müsste. Allein dieser Wechsel in der Motivation schafft so viel Lebensfreude.
Woran mag das liegen? Dass man so viel Energie aufbringen musste, um selbst Kleinigkeiten zu erledigen (30% Mehraufwand für den Gebrauch der nichtdominanten Hand, habe ich gelesen)? Das könnte ja jede intrinsische Motivation abtöten, weil nichts mehr diese Energieverschwendung lohnt. Vielleicht auch, weil man sich so sehr an eine aus Rechtshändern bestehende Gesellschaft angepasst hat und deswegen daran gewöhnt ist, nicht auf sich selbst zu hören (das ist schon wieder ein ganz neues Thema...), sodass man praktisch daran gewöhnt ist, mehr auf die Umwelt zu hören als auf sich selbst?
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  #2  
Alt 18.03.2017, 08:15
Cathy77 Cathy77 ist offline
 
Beiträge: 44
Standard AW: intrinsische und extrinsische Motivation

Sehr interessant! Mir geht es ähnlich. Bei vielen Dingen, die ich machte oder machen musste, war mir besonders wichtig, was andere dazu denken - wichtiger als mir selbst. Das war sozusagen der Motor. Ich hatte im Laufe meines Lebens einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt, immer einen guten Eindruck zu machen, gute Leistung abzuliefen - auch, wenn ich etwas eigentlich total blöd fand.

Dieses Thema habe ich als ich meine Kinder bekommen habe, angefangen zu bearbeiten. Denn meine hochsensible, große Tochter hat mir meinen Perfektionismus und diese Angepasstheit förmlich um die Ohren geschrieen (sie war ein Schreibaby). Da habe ich schon sehr sehr viel gelernt, z.B. auf mein Bauchgefühl zu hören und für sie authentisch zu handeln - denn sie hat mir sofort gespiegelt, wenn ich eigentlich etwas anderes tun wollte, aber eben konform gehandelt habe (am Ende bin ich zu der Trage-Still- Selberkoch-Öko-Mama geworden, die ich eigentlich sein wollte, egal was z.B. meine Erltern davon halten).
Aber es war bisher aber tägliche Arbeit dieses Gefühl abzulegen- was denken andere jetzt, was wird von mir erwartet, wie sollte ich etwas tun...

Seit der Rückschulung ist es tatsächlich einfacher, weil ich mich selbst besser erkenne, besser spüre was ich will und vor allem es auch als richtig erkenne, diesem Gefühl zu folgen. Ich weiß, dass an mir nichts falsch ist, nichts was ich durch Vergleich mit anderen optimieren muss. Das allein gibt schon Energie, weil ich diese nicht mehr mit den automatisierten Gedankengängen "ist das so gewollt?" verschwende...
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  #3  
Alt 18.03.2017, 12:08
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 54
Standard AW: intrinsische und extrinsische Motivation

Zitat:
Zitat von Cathy77 Beitrag anzeigen
... Bei vielen Dingen, die ich machte oder machen musste, war mir besonders wichtig, was andere dazu denken - wichtiger als mir selbst. Das war sozusagen der Motor. Ich hatte im Laufe meines Lebens einen ziemlichen Ehrgeiz entwickelt, immer einen guten Eindruck zu machen, gute Leistung abzuliefen - auch, wenn ich etwas eigentlich total blöd fand.
...
Seit der Rückschulung ist es tatsächlich einfacher, weil ich mich selbst besser erkenne, besser spüre was ich will und vor allem es auch als richtig erkenne, diesem Gefühl zu folgen. Ich weiß, dass an mir nichts falsch ist, nichts was ich durch Vergleich mit anderen optimieren muss. Das allein gibt schon Energie, weil ich diese nicht mehr mit den automatisierten Gedankengängen "ist das so gewollt?" verschwende...
Faszinierend finde ich hier, wie viele verschiedene Methoden es gibt, mit der "Entfremdung von der Gesellschaft" klarzukommen. Dir ist es mehr oder weniger gelungen, Dich anzupassen, das habe ich nicht geschafft. Ich konnte nicht mithalten und da ich "doch nicht blöd" war, musste ich eben "faul" sein. Irgendwann habe ich dann schlicht aufgegeben und mich mit "Faulheit" und Verzweiflung abgefunden. Und dann gibt es noch den Demosthenes- Effekt, den ich selbst auch schon in Arbeit erlebt habe: manche schaffen es sogar so sehr, überzukompensieren, dass sie Überdurchschnittliches leisten (das aber leider für normal halten, als Chef oder Elternteil sind das keine guten Voraussetzungen). Bestimmt gibt es noch andere Methoden.
Viele Leute leiden ja darunter, dass sie sich "wie Aliens" fühlen. Sicher sind das nicht nur ULHs oder LHs, sondern auch Leute, die für andere Dinge begabt sind, als ihre Eltern für sie vorgesehen haben: eine Freundin hat mir von einem Paar erzählt, dass seinen handwerklich hochgradig begabten Sohn auf jeden Fall auf eine akademische Laufbahn drängen wollte. Mit dem Ergebnis, dass er (wie ich) aufgegeben hat. Bei ihm kam dann allerdings eine Drogenkarriere hinzu (wieso ich die nicht eingeschlagen habe, weiß ich wirklich nicht. Wahrscheinlich, weil ich mit so vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten "ausgezonkt" wurde, da war gar kein Bedarf mehr für illegale Drogen).
Insgesamt scheint unsere Gesellschaft viel zu genormt zu sein. Und wer es nicht schafft, sich zu motivieren, mit dem Unsinn mitzumachen, wird als "faul" abgestempelt.
Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass kein Mensch faul ist (Wie viel Anstrengung muss ein Kind aufbringen, um laufen oder sprechen zu lernen? Wenn es auch nur einen gewissen Anteil fauler Menschen gäbe, würde es Kinder geben, die aus Faulheit nicht laufen oder nicht sprechen. Aber Kinder sind hochgradig motiviert, ihre Unabhängigkeit zu erreichen und sich mitzuteilen). Es gibt nur Menschen, die wegen ständiger Demotivation oder Überforderung aufgegeben haben oder sich auflehnen. Ein Versagen von Eltern, Erziehern/Lehrern, der Gesellschaft und ganz besonders der Politik. Und es erzeugt immense Kosten für Wirtschaft und Gesundheitssystem. Aber da kann man ja dann nicht den Einzelnen beschuldigen, sondern muss an der Gesellschaft arbeiten, und das haben Politiker, deren Aufgabe exakt das wäre, schon längst aufgegeben.
Am Thema Faulheit beiße ich mich gerade fest wie ein Pitbull, es war bei mir stark Thema, gerade mit Bezug auf die Umschulung.
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  #4  
Alt 21.03.2017, 21:31
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 300
Standard AW: intrinsische und extrinsische Motivation

Hach ist das spannend hier!
Das finde ich höchst interessant, denn ich bin inzwischen der Meinung, dass ich als Kind "keinen Aufwand" machen wollte und deswegen alles mit rechts gemacht habe. Außerdem war rechtshändig schreiben, schneiden einfach normal. Inzwischen weiß ich zumindest von meinem Vater, dass er ULH ist, er war ganz verblüfft über die Entdeckung Pseudorechtshänder zu sein. Und es gibt noch ein paar Verwandte, die ganz offiziell umgeschult wurden. Ich glaube, wir kämen zur Not auf eine 50-Prozent-Linkshänder-Quote, wenn man mal alle testen würde.

Es ist sehr komisch wenn auch nachvollziehbar, dass grad die Umgeschulten extrem empfindlich auf Zurückschulende Linkshänder reagieren. Die echten Rechtshänder in meinem Umfeld finden es eher ganz interessant und fragen ein bisschen nach und dann gehen sie wieder zum Alltag über und behandeln mich ganz normal wie vorher. Und die reinen Linkshänder wundern sich tierisch, wie man bloß mit rechts schreiben kann, wenn man doch Linkshänder ist und gehen dann ebenso wieder zum Alltag über. Nur die Umgeschulten reagieren wirklich empfindlich und greifen einen notfalls sogar an, wenn man etwas von der Umschulung erwähnt. Dabei gehe ich ja nicht her und verteile Habdzettel: Lass Dich auf links zurückschulen! Sondern es ergibt sich eben im Gespräch, wie das auch wäre, wenn man grad versucht abzunehmen oder eine neue Sportart anfängt oder ein tolles Buch liest.

Sorry, nun bin ich abgeschweift. Jedenfalls kam ich darauf, weil ich mich frage, ob man als ULH so gewöhnt ist, ständig gesagt zu bekommen was man wie zu tun hat, dass man das sogar raushört, wenn das Gegenüber gar nix vorschreiben will, sondern nur von seinen eigenen Erfahrungen so voll ist, dass es davon auch erzählt.
__________________
Lechts oder Rings
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  #5  
Alt 22.03.2017, 17:29
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 54
Standard AW: intrinsische und extrinsische Motivation

Liebe Monja,
bei uns gibt es die ganze Bandbreite: RHs, LHs, ULHs und Leute, die sich selbst nicht sicher sind (ich hatte immer angenommen, ich sei die einzige Beidhänderin, aber das fehlt dann doch). Trotzdem wollte ich auch "keinen Umstand machen", ich erinnere mich ja daran, dass ich mich selbst dazu entschlossen habe, mit rechts zu schreiben, damit ich mit meinem Sitznachbarn nicht so anecke. Daran, dass Linkshänder links neben sich nur einen anderen Linkshänder haben dürfen, hat ja früher niemand gedacht und ich habe sowieso meine Händigkeit nach Gefühl und Sonnenschein ausgerichtet. Aber ich habe das in einem Fallbeispiel auch gelesen, wo es einem Jungen genau so ging wir mir damals. Ich wusste eben nicht, dass ich mir damit selbst auf kapitale Weise ein Bein gestellt hatte.
Es scheint aber sehr davon abzuhängen, wie die Umschüler zur Linkshändigkeit stehen. Ich war (unter anderem) mit meiner besten Freundin und meiner Schwiegermutter im Konzert und ich stellte fest, dass wir alle gleich klatschen: mit der linken in die rechte. Ich fand das bemerkenswert, weil ich das mal als Hinweis auf eine mögliche Linkshändigkeit beschrieben gelesen hatte. Meine Schwiegermutter meinte auch sofort: "ja, ich weiß, dass ich Linkshänderin bin. Ich habe ja für alles, was ich mit links gemacht habe, sofort Prügel eingesteckt." Meine beste Freundin hingegen: "Nein, kann gar nicht sein. Das war nur ein Zufall, dass ich so geklatscht habe. Bist du überhaupt sicher, das du wirklich Linkshänderin bist? Du bist doch sicher beidhändig!" Immerhin, seitdem sie weiß, dass ich nicht vorhabe, sie zu bekehren, ist alles wieder gut.
Auf jeden Fall scheinen wir ULHs so ein Dings mit der Anpassung zu haben: Nur nicht auffallen. Das trifft sogar auf mich zu, und dabei habe ich mich selbst umgeschult. Auch scheint ein gemeinsamer Tenor zu sein, dass man sich einsam, abgekapselt, verloren fühlt. Wie ein Alien (was vielleicht der Grund dafür ist, dass man nicht auffallen will, sonst merken ja alle, das man ein Alien ist!). Was ich mir vorstellen könnte ist, dass man seinen eigenen Gefühlen, seinem Körper, ja sogar seiner eigenen Identität so sehr entfremdet ist, dass man sich nicht mehr dem Rest der Menschheit zugehörig wahrnimmt. Das wir von anderen nur die Fassade, nie aber die brüchigen Innenwände sehen, hilft dabei auch nicht. Ich habe das Gefühl, wir idealisieren andere Menschen und machen uns selbst schlecht, weil wir eben genau so nicht sind wie wir andere Menschen einschätzen. Aber wenn die Rückschulung ein Weg zurück zum Selbst, zu den eigenen Gefühlen und dem eigenen Körper ist (und es fühlt sich so an), dann ist man dieses "fremde Gefühl" vielleicht auch irgendwann los? Was meinst Du, Du bist ja schon etwas länger dabei...
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