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  #11  
Alt 17.05.2017, 10:09
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 477
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Na, es mag ja eine gefühlte Wirklichkeit geben, aber bekommen nicht die meisten (oft so mit Anfang/ Mitte 40) einen totalen Knacks, weil sie die zusätzliche Belastung durch die Umschulung dann nicht mehr wuppen können? Wann hat man schon je ein krisen- und stressfreies Leben (zumal als Umschüler!)? Und dann kommt (nicht bei allen, aber bei vielen, will mir scheinen) der Bruch. Da kann man dann auf gar keinen Fall rückschulen, weil man ja krank ist. Und danach wird man nur immer kaputter und könnte die Rückschulung immer weniger anpacken. Ich glaube, bei mir selbst war es viertel vor zwölf.

Ich hatte mich ja total verrückt machen lassen durch die Warnungen vor der Rückschulung, gerade mit meinem psychiatrischen Hintergrund. Dann bin ich auf einer Seite (die einer spirituellen Lebensberaterin (?!?), die selbst rückgeschult hatte und über die spirituellen Probleme durch die Umschulung schrieb) auf die Besprechung eines Kapitels im Buch von Fr. Dr. Sattler (ich selbst habe mich noch nicht getraut, es zu lesen, ich glaube, dass mache ich erst, wenn ich für mich selbst fest im Sattel sitze, und das dauert wohl noch einige Monate). In diesem Kapitel ging es um einen Chirurgen aus dem Bekanntenkreis von Fr. Dr. Sattler, der sich an der rechten Hand verletzte und dann die sehr anspruchsvollen Tätigkeiten mit links ausführte. Er wurde arbeitsunfähig und alkoholkrank. (Die Betreiberin der Seite schloss sich daher bedingt der Warnung von Fr. Dr. Sattler an, eine Rückschulung nur vorsichtig und stressfreier Umgebung durchzuführen und nur unter Anleitung. Sie schickt Menschen, bei denen sie Probleme aufgrund von Umschulung vermutet, zu einem ihr bekannten Linkshänderberater.) Meine laienhafte Idee dazu wäre: Fr. Dr. Sattler ist ja auch ein Mensch mit Emotionen und die gefühlsmäßige Nähe zu diesem schrecklichen Fall hat ihr Sorge und Angst bereitet (wie es uns wohl allen ginge). Dabei färbt die Emotion allerdings auch die Wahrnehmung ein: Auch wenn der Arzt von rechts auf links umgestellt hat, hat es sich hierbei nicht um eine Rückschulung, sondern um eine Umschulung gehandelt, nur, dass der Herr eben "Pseudolinkshänder" wurde, in gewisser Weise ein pathologischer Linkshänder. Es zeigt nur die unglaublich negative Wirkung eine Umschulung (egal von welcher auf welche Seite), gerade auch im Erwachsenenalter. Mit der Rückschulung (zumindest laut besagter Seite wurde dies Kapitel zur Untermauerung der Warnung vor Rückschulungen verwendet) hat das nichts zu tun. Es ist kein Erfahrungsbericht einer Rückschulung. Man kann natürlich argumentieren, dass die Rückschulung ebenso ein Eingriff ist, wie die Umschulung. Aber muss sie die gleichen Folgen haben? Und kann sie gar nichts besser machen?
Wenn jemand einen komplizierten Knochenbruch hatte und Metallteile eingesetzt bekommen hat (Schrauben, Platten), werden die doch auch entfernt, wenn es geht und der Knochen soweit geheilt ist, oder?

Es ist natürlich sehr gut möglich, dass jemand meine Argumentation komplett aushebelt. Oder dass ich das Buch selbst lese und dann meine eigenen Worte essen muss, wie es im Englischen so bildhaft heißt. Es ist eine subjektive Wahrheit, keine objektive. Aber mir hat es geholfen, den Stress in der Rückschulung sehr weit zu reduzieren, wenn man nämlich die ganze Zeit im Kopf hat, dass man sein eigenes Hirn "frankensteint", dann gruselt es einen die ganze Zeit und das schafft noch viel mehr Stress. Außerdem hat es mir Mut gemacht, die Rückschulung durchzuziehen, sogar ziemlich allein (wenn man von diesem wunderbaren Forum, ohne dass ich nie so weit gekommen wäre, absieht), nur mit dem "Sicherheitsnetz", dass ich jederzeit in die Notfallsprechstunde kommen kann. Allein die Tatsache, dass ich nur eine Viertelstunde von jemandem entfernt bin, der mich zur Not auffangen kann, reduziert den Stress weiter.
Anfang März, als ich mit Schreibübungen angefangen habe, hatte ich folgende Pros und Kontras:
Kontra:
- Ich habe keinen Linkshänderberater in der Nähe.
- Ich bin psychisch extrem labil und geschwächt
Pro:
- Niemand stresst mich, als Rentnerin habe ich alle Zeit der Welt, um mich auszuruhen.
-Ich habe psychologische (na ja, das hat sich später relativiert) und psychiatrische Grundbetreuung.
-Ich habe das Forum hier.
-Ich habe schon als Kind mit links geschrieben.
-Ich kann Bücher lesen. Vor allem geholfen haben mir: "Einfach links schreiben", Bremer 2010 ( HP: http://www.judith-bremer.de/index.html ) und "Natürlich mit Links", Neumann, 2014 ( HP: http://www.linkerhand.de ).
-viel schlimmer kann es sowieso nicht mehr werden.
Auf dieser Basis habe ich die Rückschulung begonnen. Ich habe mir auch Videos gesehen, andere Seiten (z.B. eine amerikanische Seite, die verschiedene Blattstellungen beim Schreiben mit links aufführt). Ich will nicht sagen, dass es leicht war oder ist. Es war und ist anstrengend und manchmal durchaus beängstigend. Aber was ich daraus gewonnen habe: Meine psychische Stabilität ist sehr stark gestiegen. Ich habe keine Angstanfälle oder Zwänge mehr, auch jetzt nicht wieder, wo ich meine Medikamente reduziert habe. Meine Grundstimmung ist positiv, negative Affekte werfen mich nicht mehr so "aus der Bahn". Ich habe kein "schizophrenes Gefühl" mehr. Mein Selbstvertrauen hat sich sehr verbessert, eben so meine Kommunikationsfähigkeit und meine Geduld. Wutausbrüche sind nicht mehr vorgekommen, selbst wenn ich wütend werde, behalte ich die Kontrolle. Ich sehe optimistisch in die Zukunft, anstatt mir ständig Sorgen zu machen. Mein Geschmack hat sich geändert und das Bedürfnis nach Schokolade war zwischenzeitlich völlig verschwunden (ich hoffe, wenn die Baustelle neben uns fertig ist, geht es wieder weg). Ich habe ein positiveres Selbstbild, sowohl von mir als Persönlichkeit als auch in meiner Identität als Frau. Das "fremde Gefühl", das Gefühl, eine Außerirdische zu sein und keine Verbindung mit Menschen knüpfen zu können, ist verschwunden. Und dabei bin ich gefühlt noch ganz am Anfang. Ich habe gerade erst gelernt, wie ich lernen sollte!
Das ist aber ein ganz individueller Bericht, der keinerlei allgemeine Gültigkeit vorweisen kann. Es ist streng subjektiv und ich kann nur sagen: das tue ich für mich, für meine Rückschulung. Aber das kann keinesfalls das Nonplusultra für alle sein. Wir sind ja alle unterschiedlich.
Gerade habe ich selbst gewisse Probleme mit dem Schreiben (handschriftlich), das ist für mich sehr ungewohnt. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass ich gerade das Gefühl habe, ich bekomme ein ganz anderes Denken und das ist mit Schreiben schlicht überfordert, zumindest mit dem handschriftlichen Schreiben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll in einem anderen Post erzählt werden... (Ja, ich bin ein Fan der unendlichen Geschichte (Buch)).
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  #12  
Alt 17.05.2017, 10:20
Marina Neumann Marina Neumann ist offline
 
Beiträge: 1.583
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo Rikka,
die Angstmache vor der Rückschulung bei Frau Dr. Sattler hat meiner Meinung nach den Hintergrund, dass sie sich selber nicht getraut hat, diesen Schritt zu machen.
Ich halte es erfahrungsgemäß für vollkommen falsch, die RS als einen erneuten
Eingriff ins Gehirn zu beschreiben. Für mich hat es sich so angefühlt, als ob sich in meinem Kopf etwas zurechtgerückt hat und alles in mir eine neue innere Ordnung gefunden hat, in eine natürliche Ordnung.
Mit einem Eingriff hatte meine RS gefühlt nie etwas zu tun, ich verwende so eine brutale Beschreibung nie für die Umstellung auf links.
Liebe Grüße von Marina Neumann
__________________
Dipl.-Psych. Marina Neumann
Psychologische Psychotherapeutin
www.linkerhand.de
Beratungsstelle für Linkshänder

Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
und
"Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"
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  #13  
Alt 17.05.2017, 15:17
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 477
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Liebe Marina,
hm, das mag schon sein, aber ich frage mich, wie jemand dazu kommen kann, eine Rückschulung anzufangen und sie dann doch abzubrechen? Wie kann die Angst einen so sehr packen? Man hat doch so ein gutes Gefühl schon so früh in der Rückschulung.
Ich empfinde es auch so, dass die Beschreibung der Rückschulung als einen Eingriff von gleicher Größenordnung der Umschulung schlicht fehl am Platz ist, auch wenn ich kein Experte bin. Eher würde ich es mit einem Einrenken vergleichen: da war etwas absolut am falschen Platz, jetzt muss man noch vorsichtig sein und es schmerzt noch, aber es wird besser werden.
Deswegen habe ich auch gewisse Manschetten davor, den Knoten im Gehirn zu lesen. Schade, dass die Ängste einer Person so vielen Leuten möglicherweise die Chance auf ein erfülltes Leben nehmen kann. Ich war sehr dicht davor, die Sache wieder zu vergessen und grusele mich bei der Vorstellung, ich hätte "brav" abgebrochen und mich hier nie angemeldet.
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  #14  
Alt 18.05.2017, 09:47
Leo Leo ist offline
 
Beiträge: 25
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Mit großem Interesse verfolge ich eure Beiträge und finde es interessant, dass ihr das oftmals ähnlich seht wie ich

Ich glaube, schon als ich das erste Mal das Ganze abklären lassen wollte, hatte ich das Gefühl, dass man mir nicht wirklich helfen wollte. Deswegen habe ich das Ganze ja auch mehr oder weniger auf eigene Faust gestartet. Was sollte denn durch eine Rückschulung noch schlimmer werden, wenn bei mir jedes geschriebene Wort mit rechts eine einzige seelische Qual ist Und all dies beim Benutzen der linken Hand plötzlich weg war?
Und trotzdem ist da dieser Gedanke, dass dies alles nicht sein kann, dass es dieses Problem in meiner Altersgruppe nicht geben kann, und warum sollte ausgerechnet ich betroffen sein? Die ersten 22 Jahre meines Lebens war ich ein selbstverständlicher Rechtshänder und hätte dies niemals nie angezweifelt. Das allgemeine Unverständnis der Mitmenschen, aber auch der Forschung, vieler Therapeuten und selbst Händigkeitsberater hilft da jedenfalls auch nicht, dieses Bewusstsein zu schärfen, es als gegeben anzunehmen und dafür einzustehen. Wie erkläre ich dies meinem Psychologen, meiner Uni und wie werde ich von meinen (verständnislosen) Mitmenschen nicht als kaputter Wirrkopf abgetan? Ich habe auch oft das Gefühl, dass es diejengen sind, die sich selbst eine Rückschulung nicht zutrauen, die eine allgemeine Angst davor schüren. Es ist ja gut für sie, wenn das für sie ok ist und sie entweder keine Umschulungsfolgen haben oder sie diese nicht stören... Aber warum muss man andere bequatschen und sie davon abhalten? Gerade Erwachsene sollten doch mündig genug sein, um dies selbst zu beurteilen und letztenendes kennt jeder seinen eigenen Kopf am Besten...

Und dann erinnere ich mich noch an den Spruch "Was aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, ist wohl eine Ente!" - Warum sollte dies hier anders sein?
Wenn beim Schreiben mit links die Kopftortur weg ist, wenn ich inzwischen mit links Dinge zeichnen kann, die ich mit rechts nie könnte, wenn sich bei Linkshändermesser und -schere "Aha-Effekte" einstellen usw... warum ist es dann so schwer für mich dies zu akzeptieren? Vielleicht hat unter anderem Frau Sattlers Buch auch bei mir mehr Vorbehalte verursacht als ich zugeben möchte...

Und dann solche Dinge, wo ich nicht weiß, ob es nur mir so geht (manchmal erscheint es so?) ... "man kann ja auch einfach am Computer schreiben" ... eben dies mache ich ja viel zu oft und selbst dies scheint mein Gehirn zu nerven. Vor kurzem hatte ich so die Nase voll, dass ich mir beibrachte nur mit links zu tippen. Es ist anstrengend und langsam und geht keinesfalls für immer, aber zumindest scheint mein Gehirn mich so in Ruhe zu lassen. Und ich stelle fest, dass es mich seitdem auch eher in Ruhe lässt, wenn ich mit rechts fotografiere (geht ja nicht anders) ... Und genau bei sowas habe ich eben das Gefühl, dass meine Symptome selbst laut Händigkeitsberatern etc nicht existieren dürften

Mir ist auch bewusst, dass Krisen Vieles durcheinander wirbeln können und oftmals Energie rauben und Chaos verursachen, aber andererseits muss man a irgendwo anfangen und von purer Symptomtherapie wird ja auch nix besser...

Vielleicht ein wenig wirr mein Geschreibsel, aber ich hoffe zumindest dennoch alles niedergeschrieben zu haben, das mir durch den Kopf ging...
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  #15  
Alt 18.05.2017, 11:50
Willi Willi ist offline
 
Beiträge: 71
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Mit dem "Knoten im Gehirn" habe ich mich dereinst von der eigenen Linkshändigkeit vollends überzeugt und dann rückgeschult. So schlimm war die Lektüre nicht. Es ist eine sehr umfangreiche (die umfangreichste?) Informationsquelle zum Thema und wie mir sehr positiv auffiel in vielen Punkten sorgfältig formuliert und abgewogen. Man kann sich ja das für sich selbst relevante rauspicken. Die vielen Warnhinweise mögen erst einmal stören oder verunsichern - auf die wohltuend andereren Ansichten von Marina Neumann bin ich erst nach der RS gestoßen und hätte mich im Nachhinein dort beraten lassen. Die RS war auch tatsächlich ein positiver "Weg nach hause", kein "erneuter Eingriff ins Gehirn". Trotzdem gab es während der RS Empfindungen/Situationen wie krasse Rechts-Links-Unsicherheit oder Wortfindungsstörungen die bei kurzzeitigem Auftreten durchaus lustig waren, bei längerem Anhalten aber doch sicherlich für kritische Zustände gesorgt hätten. Mit Restzweifeln an der LH oder dem richtigen RS-Weg wäre das möglicherweise sehr unlustig geworden. Daher kann ich die Warnhinweise jetzt gut nachvollziehen. Es geschieht eben alles in Eigenverantwortung. Meiner Erfahrung nach ist allerdings die Rückschulung selbst nicht die größte Herausforderung. Unverständnis bzw. Nichtakzeptanz von persönlicher Veränderung im sozialen oder beruflichen Umfeld hat mehr Problempotential wenn man trotzdem noch im alten (oft in ULH-Strukturen gewachsenen und verfestigten) Umfeld funktionieren muss.
Grüße
Willi
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  #16  
Alt 18.05.2017, 14:30
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 477
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Moin Leo,
also, die Verunsicherung und Verwirrung kann ich gut nachvollziehen, obgleich ich mich ja sogar daran erinnere, als Kind mit links geschrieben zu haben. Was mich endgültig überzeugt hat, war die Tatsache, dass ich mit links Spiegelschrift schreiben kann. Mit rechts kann ich es nicht. Das war der Moment, wo ich für mich entschieden habe, dass ich rückschulen will. Ich habe mich dann hier angemeldet. Mit meiner Psychologin habe ich keine gute Erfahrung gemacht. "Händigkeit ist ja keine Krankheit."
Aber es ging mir so lange so schlecht und jetzt hat sich alles so sehr gewandelt, dass mein Mann und auch meine Freunde voll und ganz hinter mir stehen. Ich empfange Interesse und Mitgefühl, vielleicht gerade, weil ich so tief am Boden war und die Rückschulung so viel in meinem Leben verbessert hat.
Moin Willi,
ich wollte damit das Buch von Frau Dr. Sattler, die ja die Pionierin auf dem Gebiet ist, in keinster Weise diffamieren, auch wenn es sich so angehört haben mag. Es ist nur so, dass ich sehr zu Ängstlichkeit neige und noch immer schlecht für mich einstehen kann (auch wenn es schon viel besser geworden ist). Für mich persönlich ist aus diesem Grund das Buch noch zu früh. Erst wenn ich ganz und gar "im linken Leben angekommen bin", will ich es lesen, weil ich mir dann die Befürchtungen nicht so zu eigen mache. Und ich glaube, dass etliche Leute bei den ständigen Warnungen den Mut verlieren, was schade ist. Aber lesen will ich es auf jeden Fall, ich bin schon ganz gespannt.
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  #17  
Alt 19.05.2017, 00:32
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 433
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hier ich Rikka! Ich habe alte Tagebuchnotizen gefunden.
2006 steht dort sinngemäß: "Vielleicht bin ich Linkshänderin? Schließlich kann ich recht leserlich mit links schreiben." Da habe ich aber immer nur "mal ein bisschen" mit links im Tagebuch geschrieben.
2013 ungefähr hatte ich spontan beschlossen (beim Betreten des Bioraums der 5. Klasse): "Heute schreib ich den Tafeltext mit links" und das habe ich getan. Und den Klassenbucheintrag auch und das links schreiben aus heiterem Himmel habe ich dann am nächsten Tag bereits abbrechen müssen, weil mir völlig schwindelig und musig im Kopf wurde.
Das waren zwar aus heutiger Sicht keine sinnvollen Rückschulungsversuche, aber damals wollte ich wirklich links schreiben. Und aus dem missglückten Spontan Rückschulungsversuch 2013 hatte ich sogar geschlossen, ich könne keine Linkshänderin sein, wenn es so fiese Folgen hat mit links zu schreiben.

Also kann ich sehr nachvollziehen, dass Menschen Angst vor der Rückschulung bekommen, wenn sie so wie ich spontan den Druck nicht mehr aushalten und daher von jetzt auf gleich anfangen links als Hauptschreibhand zu nutzen. Wenn man das Hintergrundwissen nicht hat, versteht man halt nicht, wieso es so gar nicht klappen kann (fehlende Übung, Muskulatur muss gestärkt werden, die Steuerzentrale für die linke Hand muss neue Bewegungsabläufe erlernen und später automatisieren...)

Tat
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Findefuchs 🦊
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  #18  
Alt 19.05.2017, 00:40
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 433
Licht-an AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Tatsächlich hatte ich all das zwischenzeitlich so gründlich vergessen, dass ich das hier im Forum zu Beginn ganz anders hingeschrieben habe. Weil ich das wirklich nicht mehr erinnern konnte. Und selbst jetzt wäre es "weg" gewesen, hätte ich nicht auf der Suche nach etwas anderem diese handgeschriebenen Tagebucheinträge entdeckt. Dann ist es mir wieder eingefallen, dass es nicht mein erster Versuch war.

Nur früher hatte ich weder Begleitung noch stichhaltige Nachweise für meine Linkshändigkeit und mein Umfeld wollte unbedingt, dass ich Rechtsschreiber bleibe. Also hat es damage nicht geklappt. Er jetzt funktioniert es, holprig zwar und mit viel "Heulen und Zähneklappern" zwischendurch. Aber dafür geht es im Summe vielvielvielbesser! Und das Leben hat deutlich an Qualität und Tiefe und Perspektive gewonnen.
__________________
Findefuchs 🦊
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  #19  
Alt 19.05.2017, 06:30
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 477
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Moin, liebe Monja,
wenn ich es recht bedenke, dann war ich immer und wegen allem verunsichert. Wenn ich nicht gerade im Wutanfall komplett ausgerastet bin (dazu hatte ich aber die letzten Jahre gar keine Energie mehr). Und auch jetzt noch... meine Problematik (die sich langsam auflöst) hat sehr viel mit Angst zu tun. Angst, mich auf mich selbst einzulassen. Ich denke auch viel über das nach, was Micha.el anderen Ortes geschrieben hat, dass sich nämlich seiner Meinung nach die Umschulungsfolgen von einer Generation zur nächsten noch verstärken, und dass mein Vater umgeschult ist, weiß ich ja (damals kann man fast schon eher von "umgefoltert" reden!). Da ist, wie ich glaube, auch noch einiges im Busche.
Aber zum Glück werde ich jetzt gut unterstützt. Ich habe nämlich furchtbare Hemmungen, ernsthaft kreativ zu sein. Ich sehe immer zu, dass ich das, was ich gemalt, gezeichnet, geschrieben oder am Computer fabriziert habe, möglichst schnell wieder vernichte. Es ist, als sei mir meine eigene Kreativität unheimlich. Aber mein Mann hat mir noch mal gut zugeredet und ich habe gestern den halben Tag mit einer kreativen Aufgabe verbracht. Ich war im Flow. Und es hat so gut getan. Diese Unsicherheiten zu überwinden ist so schwer. Vielleicht steckt das auch hinter der Schreibphobie?
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  #20  
Alt 19.05.2017, 17:07
Micha.el Micha.el ist offline
 
Beiträge: 780
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo zusammen,

ja, ich bin der Meinung, dass sich die ULH-Umschulungfolgen/-Charaktereigenschaften von Generation zu Generation potenzieren, --ganz einfach deswegen, weil z.B. Perfektionismus, übertriebener Leistungswille, überflüssige Pedanterie, um nur ein paar Beispiele zu nennen, von den Kindern ja regelrecht automatisch übernommen werden oder auch diese dazu angehalten werden. Besonders ist dies der Fall, wenn die Mutter, die ja normalerweise den größten Einfluß auf ihr Kind hat, auch ULH ist oder war, so wie bei mir.

Gerade in unserer heutigen digitalen Welt, wo ein Mausklick entscheidend sein kann, sehe ich daher die Gefahren, die ULH drohen, immer größer werden.

Das Schreiben am Computer ist für Leute die es nicht so gut können, wie Du, Rikka (weiß ja, dass Du bestimmt 300 Anschläge/min, wenn nicht mehr, schaffst) eher frustrierend, da sie ja ständig RH, die Fehler korrigieren müssen.
--Naja, evtl.l besser, als wie früher mit Tipp-Ex oder Radiergummi zu hantieren, ---konnte ich allerdings dann LH machen!
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