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  #1  
Alt 16.04.2017, 18:53
Leo Leo ist offline
 
Beiträge: 25
Standard Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo,

(Kurzversion im letzten Absatz)

Aufgrund meines subjektiv schwer empfundenen Leidens (ich empfand Schreiben mit rechts immer als Folter für meinen Kopf), habe ich vor einigen Jahren entschlossen, mich zurückzuschulen. Ich schreibe und zeichne mit links… mal besser, mal schlechter, aber leider nicht kontinuierlich.

Nun zurück zu besagter Folter: Während meiner Schulzeit habe ich Schreiben regelrecht als Qual empfunden. Allerdings dachte ich, das sei normal und alle müssten da durch. Sind die wirklich alle so sadistisch, dass sie es mögen können, etwas zu schreiben? Und dies auch noch freiwillig tun? Jahrelang hasste ich es und jedes einzelne geschriebene Wort war für mich eine Tortur.
Jedenfalls kam ich gar nicht auf den Gedanken vielleicht umgeschult zu sein… und quälte mich in jedem Aufsatz, in jeder Klausur jahrelang. Das Abi war für mich eine Art “Erlösung”.

Im Studium heute verfasse ich Mitschriften mit links, vermeide das Schreiben aber immer noch so oft es geht, allerdings nicht nur mit der Hand sondern auch auf dem Computer. An Zusammenfassungen möchte ich gar nicht erst denken. Jede Hausarbeit, auch wenn ich diese so gern angehen würde!, stellt für mich eine fast unüberwindbare Hürde dar. Schreiben ist mir ein Grauen und ich bilde mir immer noch ein, dass ich nicht gut darin bin. Ich fange zu spät an, plane schlecht, Themenwahl fällt mir enorm schwer, ich schiebe viel zu lange auf, meine Gedanken flattern durcheinander und Textquellen organisieren ist das reinste Chaos. Und das alles obwohl ich schon sehr gutes Feedback auf bisherige Arbeiten bekommen habe. Zudem habe ich auch allgemein sehr starke Organisationsprobleme und manchmal das Gefühl ich hätte eine ADS-Symptomliste gefressen.

Nun gut, ich bin jetzt seit Kurzem in Kontakt mit einem Psychotherapeuten, um da mal einen Blick drauf zu werfen (gerade weil mein Studium im Moment sehr stark leidet).
Jedoch werde ich gerade das Gefühl nicht los, dass ich zunächst die psychischen Folgen der Umschulung (bzw meiner Abneigung gegen Schreiben) beleuchten sollte, damit es zu keinen falschen Diagnosen kommt. Sinnvoll oder nicht?

Nun frage ich mich Folgendes: Inwiefern können meine Probleme beim Schreiben von Hausarbeiten usw mit meiner Umschulung bzw Abneigung gegen Schreiben zusammenhängen?

Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte, Hintergründe und Ähnliches freuen!
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  #2  
Alt 17.04.2017, 09:47
Micha.el Micha.el ist offline
 
Beiträge: 779
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo Leo,

ich spiele gern den Oberlehrer, weil das so gut zur Rückschulung passt.
---Kleiner Scherz.....

Also, ich würde sagen, Schreiben ist eine Angelegenheit, die sehr viel mit dem wirklich feinsten Fingerspitzen---"Gefühl" zu tun hat, das wir Menschen entwickeln können. Mit den Händen kann man regelrecht "sehen" in dem man alles ertasten kann.
Fast ebenso ist Deine Aversion gegen das Schreiben eine Gefühlsangelegenheit!!
Die Gefühle der ULH geraten beim Training auf die nichtdominante Hand regelrecht durcheinander. Im Laufe des Lebens kommen immer wieder neue Gefühle hinzu, --beim ULH entsteht ein Gefühlschaos. Weiter hängen eben die Gefühle in den Händen zwangsläufig mit den Bildern im Kopf zusammen, -eben durch den o.g. Tastsinn.

---Naja, so hat sich bei Dir eben ein "Negativimage" für Deine eigenen Schriftbilder bleibend imaginiert.

So würde ich das interpretieren, was Du schreibst, --so kurz und knapp es halt irgendwie geht.

War und ist beim mir übrigens ähnlich, allerdings mittlerweile, je nach Stimmungslage und Schriftbild, völlig verschwunden, und ich kann Spaß an meinen LH-geschriebenen Worten haben.

Beim einem Studium wird natürlich auch sehr viel geschrieben, ich denke das ist heute immernoch so, wie in meiner Zeit in den 1970/80-igern.

LG Michael
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  #3  
Alt 17.04.2017, 10:45
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 477
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Lieber Leo,
ich war ein wenig uneins mit mir selbst, da ich noch nicht lange rückschule und darüber hinaus auch noch selbst umgeschult habe, empfand ich mich nicht als jemand, der den ersten Kommentar schreiben sollte. Aber dem lieben Micha.el sei Dank bin ich ja nicht mehr die erste.
Zunächst also die Antwort auf Dich: ich habe unglaublich gern geschrieben, obgleich meine Schrift schrecklich war und meine Hand sich immer sehr verkrampfte. Aber das Schreiben hat meine chaotischen Gedanken geordnet und ich hatte immer den Wunsch, mich auszudrücken. Ich war eher frustriert darüber, dass meine Hand (ich wusste ja nicht, dass ich mit der Nichtdominanten schrieb), meinen Gedanken nicht folgen konnte (das ist immer noch so, aber ich bin schon jetzt geduldiger geworden) und dass ich zu schnell ermüdete und verkrampfte, während ich doch frei und locker zu meinem Ausdruck finden wollte.
Vielleicht manifestiert sich Deine "Linkshänder- Rebellion" in einer Abneigung gegen die Ordnung der Rechtshänder? Ich habe diese Theorie, dass sich die Natur der Linkshänder bei einer Umschulung in einer -unbewussten- Rebellion Bahn bricht. Bei mir war es ein Widerstand gegen soziale Normen, vor allem gegen meine Rolle als Frau. Bei Dir ist es vielleicht die Ordnung an sich, gegen die Du aufstehst? Das mag sich geben, wenn Du zur Ordnung der Linkshänder findest (meiner Erfahrung nach gibt es da einen großen Unterschied, aber ich bin noch nicht weit genug in meiner eigenen Rückschulung, um eine Definition zu geben). Allerdings ist das eine sehr laienhafte Meinung und eher ein Denkanstoß als eine "Diagnose", zu der ich auf keinen Fall qualifiziert wäre.
Und ich bin auch Michaels Meinung, dass eine Aversion immer mit dem Gefühl zu tun hat. Auch Motivation und Wille sind Dinge, die nicht mit Rationalität verbunden sind, egal was uns die Meinung der Allgemeinheit sagen will: Die Gesellschaft hinkt sowieso immer 200 Jahre hinter den wissenschaftlichen Erkenntnissen her. Entscheidungen trifft nicht der Kopf, sondern der Bauch, und auch Prioritäten werden nicht rational gesetzt. Ich las einmal in einer Psychologie heute den Fall eines Menschen, der einen Hirntumor hatte. Leider wurde sein Hirn bei der OP verletzt, aber nur im Bereich der Gefühle, also sollte seine Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt werden. Er konnte nicht mehr fühlen, seine Frau verließ ihn, weil er auch nicht mehr lieben konnte. Aber er verlor auch seinen Arbeitsplatz, da er keine Prioritäten mehr setzen konnte. Er saß den ganzen Tag vor seinem Schreibtisch und konnte einfach nicht entscheiden, was er als erstes tun sollte. Denn Entscheidungen werden immer mit dem Gefühl getroffen, zumindest was Menschen angeht.
Ich weiß nicht, ob Dir das in Deiner Situation weiterhelfen könnte, aber hier ist eine Seite, die ich persönlich sehr interessant finde und die sich mit Motivationen beschäftigt:
http://www.selbstmotivation.info
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  #4  
Alt 17.04.2017, 11:02
Marina Neumann Marina Neumann ist offline
 
Beiträge: 1.583
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo Leo,
hast Du Dich im Alleingang zurückgeschult? Empfindest Du einen positiven Unterschied zum Schreiben mit rechts, wenn Du mit links schreibst?
Das gute Gefühl wahrzunehmen, das in der RS beim Schreiben mit der dominanten linken Hand entsteht, ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass man einen neuen Zugang zum Schreiben mit der Hand bekommt. Darum geht es in der RS und nicht darum, in der alten Aversion stecken zu bleiben. Dieses gute Gefühl beim Schreiben entsteht allerdings nur dann, wenn der Prozess nicht leistungsorientiert, sondern spielerisch durchgeführt wird.
Liebe Grüße von Marina Neumann
.
__________________
Dipl.-Psych. Marina Neumann
Psychologische Psychotherapeutin
www.linkerhand.de
Beratungsstelle für Linkshänder

Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
und
"Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"
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  #5  
Alt 19.04.2017, 08:04
Leo Leo ist offline
 
Beiträge: 25
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Vielen Dank für eure Antworten

Ich war mal bei einer Diagnostik, bin dann aber aus irgendwelchen Gründen nicht wiedergekommen. Aber ich wohnte damals auch eigentlich zu weit weg (Ausland), um mich begleitend rückschulen zu lassen.
Jedenfalls hatte ich immer solche Qualen im Kopf, dass ich dann entschied, dass es so nicht weitergehen konnte und ich begann, mit links schreiben zu lernen (mein Vater schnitt das Thema an, als ich mich permanent über meine Probleme zu schreiben beschwerte und er sich an einen Bekannten erinnert fühlte; ich fiel bei dem bloßen Gedanken aus allen Wolken und tue dies immer noch). Natürlich auch nicht von heute auf morgen und ich hatte da auch verschiedene "Phasen", aber mein Kopf fühlte sich plötzlich so angenehm leer und leicht an. Tolles Gefühl. Nur leider bin ich selbst heute noch in einer "Identitätskrise" und schreibe mit links recht langsam. Oft habe ich auch einfach überhaupt keine Lust zu schreiben oder die linke Hand nervt mich ähnlich wie die rechte (motorisch, nicht das Gefühl im Kopf). Ich weiß, dass ich viele Dinge handschriftlich im Kopf besser verarbeiten würde, aber ich kann mich einfach nicht durchringen zu schreiben.
"Leistungsorientiert"... naja, ich habe mich nie dazu gezwungen mit links zu schreiben und nur das und soviel getan wie ich konnte und wollte... ich habe auch lange Zeit Prüfungen weiterhin mit rechts geschrieben. Nur leider hatte ich auch lange Phasen, wo ich eigentlich fast nur digital geschrieben habe und folglich kaum mal geübt habe.
Auch gezeichnet habe ich viele Jahre überhaupt nicht (mit rechts stieß ich immer an meine Grenzen und mit links war ich zu unsicher) und es fehlte mir sehr. Dieses Jahr habe ich nun wieder vorsichtig damit angefangen... noch etwas unsicher und sicherlich keine Meisterwerke, aber ich bin stolz auf mich.
Was mir auffällt ist, dass ich einen viel besseren Zugang zu meiner linken Schrift habe als zu meiner rechten und genauso bei meinen Zeichnungen. Links sieht irgendwie dynamischer aus, irgendwas hat mich bei rechts am Resultat immer gestört.

Vielleicht sollte ich als nächsten Schritt noch einmal einen Anlauf nehmen und eine Händigkeitsdiagnostik machen (und diese auch durchziehen)? Dann weiß ich zumindest 100% was mit mir los ist (Linkshänder oder nicht) und habe auch zumindest eine "offizielle" Erklärung für andere, wenn diese denn für meine Probleme offen sind...
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  #6  
Alt 19.04.2017, 14:06
Phineas Phineas ist offline
 
Beiträge: 290
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo Leo.

Du schreibst:

Zitat:
Natürlich auch nicht von heute auf morgen und ich hatte da auch verschiedene "Phasen", aber mein Kopf fühlte sich plötzlich so angenehm leer und leicht an. Tolles Gefühl.
Genau wie du habe ich eine Abneigung gegen das Schreiben mit rechts. Ich schrieb, weil ich es musste, nicht weil ich es wollte. Ich zog den PC stets dem Handschriftlichen vor.
Seit ich rückschule musste ich gaaaaanz klein anfangen. Das sollte nicht mit dem sofortigen Schreiben beginnen, sondern erst mal mit dem Trainieren deiner dominanten, aber ungeübten Hand (in deinem Fall dann wohl links). Beispielsweise durchs Kneten oder Fingerübungen oder Schwungübungen.
Jetzt nach einem Jahr ist meine Handschrift noch immer nicht so schnell, dass ich sagen würde, dass sie mit der rechten mithalten könnte.

Zitat:
Nur leider bin ich selbst heute noch in einer "Identitätskrise" und schreibe mit links recht langsam. Oft habe ich auch einfach überhaupt keine Lust zu schreiben oder die linke Hand nervt mich ähnlich wie die rechte (motorisch, nicht das Gefühl im Kopf).
Siehst du, das ist das gute Gefühl im Kopf, das Marina Neumann meint. Das kannst du aber nicht in dem Maße genießen, wenn du leistungsorientiert während des Studiums schreibst. Ich habe mir ein Tagebuch zugelegt, in das ich meine Gefühle und Gedanken reinschreibe (bis heute), und ich fing an, handschriftlich an einem Roman zu schreiben (wäre mir früher nie in den Sinn gekommen).

Es wäre wohl schon sehr wichtig, dass du erst mal eine Händigkeitsdiagnostik durchziehst, um Sicherheit zu haben, und dann musst du wissen, deine linke Hand ist nicht die Geübtere. Du solltest da ganz langsam ran gehen und keine Wunder von heut auf morgen erwarten, nur weil es deine (möglicherweise) dominante Hand ist. Meine Handschrift zitterte etwa 6 Monate noch (wenn ich für mich schrieb) und auf der Arbeit ist die Handschrift ebenfalls noch sehr zittrig. Das braucht seine Zeit.

Bei dir klingt es, als würdest du leistungsorientiert versuchen, die linke Hand auf den Stand der rechten zu bringen. Das kann so aber nicht gelingen und erklärt wahrscheinlich deine Abneigung auch beim linkshändigen Schreiben.

lg

Phineas

und natürlich auch ein herzliches Willkommen hier im Forum
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  #7  
Alt 22.04.2017, 01:17
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 433
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Sehr interessante Frage!
Tatsächlich habe ich nun festgestellt, dass mein Problem gar nicht am Schreiben sondern am Denken hängt. Seit ich mit links schreibe kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass ich ein "visuell-räumlicher" Lerntyp bin. Daher tue ich mir so schwer mit schreiben. Im Kopf habe ich nämlich eher Bilder oder Begriffsnetze (wie MindMap/ConceptMap)

Als ich noch mit rechts schrieb, hat das offensichtlich auch Effekte auf meine Art zu denken gehabt, denn da habe ich eher Gedankenketten gehabt, bei denen ich dann einfach "mitschreiben" kann weil es ja schon eine linear-sequenzielle Form des Denkens war. Die sind allerdings auch häufig abgebrochen und ich wusste nicht mehr, wo ich eigentlich gedanklich war. Dann müsste ich das bereits geschriebene erneut lesen um den Gedanken wieder aufgreifen zu können. Das hat allerdings manchmal auch nicht geklappt...

Nur muss ich jetzt erst lernen, wie mein Kopf als gelebter Linkshänder überhaupt funktioniert. Inzwischen habe ich auf meinem Handy eine App installiert, mit der man intuitiv Mindmap erstellen kann (nennt sich Mindly). Sonst bekomme ich meine Gedanken oft nicht sortiert aber mit der Map als Hilfe geht es. Und Danach kann ich es dann auch schriftlich klar ausdrücken, weil ich die Gedanken vorsortiert habe.

Und ich habe wohl auch noch etwas mit den unangenehmen psychischen Spätfolgen der Selbstumschulung zu kämpfen und an solchen Tagen hasse ich schon die Vorstellung überhaupt irgendeinen Stift in die Hand zu nehmen, mir wird dabei richtig körperlich unwohl. Seit ich diesen Effekt entdeckt habe, zwinge ich mich dann nicht sondern weiche auf Handynotiz oder PC-Schreiben aus. Soll meine Seele lieber in ihrem eigenen Tempo heilen, denn an stabilen Tagen macht mir das Schreiben mit links ja sehr viel Lebensfreude, das genieße ich dann ganz besonders.
__________________
Findefuchs 🦊
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  #8  
Alt 16.05.2017, 16:16
Leo Leo ist offline
 
Beiträge: 25
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hmm, ich habe inzwischen noch einmal einen Linkshänderberater nach Sattler aufgesucht. Ich glaube, ich weiß auch warum ich es beim ersten mal geschmissen habe. Ich habe mal wieder das Gefühl, dass man mir da wenig Neues/Hilfreiches erzählen wird und Rückschulung natürlich nur in krisenfreien Zeiten... den Zeitpunkt möchte ich erleben, vielleicht im nächsten Leben? Dabei ist doch gerade dieses Thema eine meiner Krisen und es hat mir schon sehr geholfen Vieles im Alleingang auf links umzustellen

Mit dem "spielerisch" habt ihr natürlich recht... obwohl ich eigentlich nicht denke, dass ich mich da unter Druck gesetzt habe... Aber vielen lieben Dank für den Hinweis
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  #9  
Alt 16.05.2017, 16:47
Marina Neumann Marina Neumann ist offline
 
Beiträge: 1.583
Standard AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Hallo Leo,
vielleicht ist auch für Dich wichtig zu wissen, dass die Einstellung von Frau Sattler zum Thema RS auf links nicht die ist, die der Weisheit letzter Schluss ist und sein kann. Die meisten ULH haben permanent oder immer wieder eine Krisensituation und die Vorstellung von einer krisenfreien Zeit oder Lebensphase von ULH halte ich eher für utopisch bzw. unrealistisch. Die Situation bzw. Befindlichkeit eines ULH ist immer schwierig und kann kaum leicht und unbeschwert sein. Als ULH ist man doch von einem wesentlichen Teil der eigenen Persönlichkeit dauerhaft abgeschnitten. Diese Selbstentfremdung hat teilweise erhebliche negative Auswirkungen, sei es in psychischer Hinsicht oder in Hinblick
auf die eigene Leistungsfähigkeit.
Bei der RS geht es vielmehr darum, ganz konkret zu gucken, wie dieser Prozess behutsam und langsam durchgeführt und in den eigenen Lebens- und Berufsalltag eingebaut werden kann. Ich halte es für sinnlos, auf bessere Zeiten zu warten und zu hoffen, diese Zeiten werden nicht eintreten
Liebe Grüße von Marina Neumann
__________________
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www.linkerhand.de
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und
"Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"
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  #10  
Alt 16.05.2017, 20:14
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 433
Idee AW: Schreibphobie durch Umschulung?

Krisenfeste Zeiten ist ja lustig. Ich habe halt das Problem, dass früher mein Dickkopf das einzige war, das mir ermöglicht hat, krisenhafte Lebensphasen durchzustehen. Und ich musste Dinge mit mir selbst ausmachen, sonst sind die Leute angekommen und haben mir angefangen zu erklären, was ich denn bitte wie machen soll. Nur immer aus ihrer Perspektive und kein Mensch hat sich je die Mühe gemacht mal wirklich zu berücksichtigen, was ich kann und was mich überfordert.

Wenn ich daran denke bin ich immer total verzweifelt wütend. Ich bin einfach immer noch ganz am Anfang zu spüren, wobei ich mich wohlfühlen kann und meine Grenzen zu markieren und zu verteidigen.

Das Problem ist, dass die Kommunikationskultur in meiner Herkunftsfamilie die Qualität einer Planierraupe hat, die sämtlich Emotionalität und Individualität brutal plattwalzt. Alle Ansätze seinen eigenen Weg zu gehen werden sofort als Angriff gegen den Familienverband interpretiert und man wird entsprechend aggressiv angegangen und kleingehäckselt, bis man wieder schön brav im Rudel mitläuft und brav tut, was alle seit Generationen tun.

Und jedes Mal wenn ich in einer emotional instabilen Phase bin, kann ich kaum einen Stift halten. Dieser ganze Rucksack an miesen Erfahrungen ist so schwer, ich komme echt nicht vorwärts dann. Ich hab da bisher keine Lösung - ich versuch halt, niedrigschwellige Sachen zu machen: spazieren gehen, stricken, Tee trinken.

Was ich sagen will: Falls man halt zusätzlich zur Umschulung noch andere überfordernde Situationen zu verarbeiten hat, ist die Rückfindung zur angeboren feinmotorisch geschickteren Hand eventuell deutlich komplexer. Weil halt gleichzeitig noch andere Stressfaktoren aktiv sind.

Grad heute hab ich so einen Tag an dem ich gefühlt wieder von lauter unempathischen Vollidioten umgeben bin, die mir das Leben so extrem anstrengend werden lassen, dass ich nicht mal einen Stift halten will. Weil in diesen Phasen einfach alles so anstrengend ist. Ein wenig half mir, mir neue Tintenroller zuzulegen, mit denen ich sehr positive Gefühle verbinde.

Teilweise knockt es mich nämlich aus einen Stift von früher in der Hand zu halten. Mir fällt grad auf, dass ich mich damals immer versucht habe, mit meinen Hausaufgaben abzulenken, wenn meine Familie sich in der unteren Etage mal wieder so über extrem gestritten hat. Und dann saß ich manchmal da und habe nur noch verkrampft den Stift festgehalten und gehofft, dass sie sich bald wieder vertragen.

Wow krass. Da wird mir auch klar, dass ich das Gefühl hassen gelernt habe, einen Stift in der Hand zu haben. Das muss sich unterbewusst zusammengeschaltet haben. Und wenn ich jetzt nen Stift in der Hand habe ist es wieder da. Ich bin platt. Wusste ich wirklich nicht mehr, bis jetzt, wo ich es hier schreibe.
__________________
Findefuchs 🦊
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