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  #11  
Alt 23.12.2016, 16:12
Micha.el Micha.el ist offline
 
Beiträge: 811
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Ja, so was tut verdammt weh. Versuch' es nicht ernst zu nehmen. Mit den Einsichten um ULH kann man tatsächlich ein völlig neues Leben beginnen. Wer weiß, vllt. ist es besser so......

Eine RS geht nur allzuhäufig mit Trennungen einher. Auch wenn das jetzt nur wenig Trost ist.

LG Michael
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  #12  
Alt 17.08.2017, 23:50
Dorothy Dorothy ist offline
 
Beiträge: 68
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Wie die meisten hier habe ich mir natürlich auch ein paar Gedanken über meine Kindheit gemacht, vor allem als durch die RS Erinnerungen zurückkamen, die ich vorher nicht gehabt hatte.
Ich war zu Hause als Kind oft sehr starkem Stress ausgesetzt, manchmal habe ich regelrecht ein Leben in Angst geführt. Das hatte verschiedene Gründe und auch wenn viele Fehler passiert sind und ich darunter leiden musste und deshalb manchmal bis heute noch wütend oder traurig werden kann, hab ich immer gedacht, dass ich es im Grunde genommen meinen Eltern verzeihen kann. Fehler sind menschlich und sie haben es oft eben nicht besser gewusst.
Was mich aber manchmal so richtig mitnimmt und sehr sehr traurig macht ist, wenn Familienmitglieder so gar nicht bereit sind, Fehler einzugestehen. Eine einfache Entschuldigung könnte so manches aus dem Weg schaffen!
Es hat mich halt richtig wütend gemacht, als ich einem Elternteil erzählt hatte, dass ich eine RS mache, diese Person mich belächelt hat, mir gesagt hat, ich sei doch keine LH, so ein Quatsch. Es hat so wehgetan! Vor allem auch weil ich genau diese Person bevor ich zum Händigkeitstest gegangen bin auch noch gefragt hatte, ob ich als Kind Sachen linkshändig gemacht habe. (Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch keine Erinnerung an die US, aber mir schwante schon etwas...) Ich weiß noch ganz genau wie die Person am Telefon dann plötzlich so einen leicht gereizten Tonfall bekam und wie aus der Pistole geschossen meinte: "Nein, nichts. Und wenn es so gewesen wäre, dann hätten wir dich sicher als LH belassen, wir waren doch gebildet genug."
Ich hab das dann einfach mal so hingenommen, obwohl mir die Art und Weise etwas komisch vorkam...
Später, schon Monate in der RS, ist mir dann die Erinnerung gekommen wie diese Person mit der Kindergartenfrau redet und ihr aufträgt, mich nur mit rechts malen zu lassen, nur mit der "richtgen" Hand, um die man mir ein Bändchen gebunden hatte...
(Ich tue mir da selbst richtiggehend leid )
Naja, jedenfalls war ich, als ich diese Erinnerung hatte, so so wütend auf diese Person! Nicht, weil es in der Vergangenheit passiert ist (es war wahrscheinlich gut gemeint, ich glaube, ich hatte halt mit beiden Händen im Wechsel gemalt), sondern wegen der Reaktion in der Gegenwart.
Es hätte mir so viel bedeutet, einfach nur zu hören:"Kind, es tut mir so leid, dass das passiert ist. Toll, dass du dich dem jetzt stellst. Wie kann ich dir helfen?"
Aber das wäre wohl der Idealfall...
Weil meine "Dummheit" mit der ich auf diese Sache "reingefallen" war danach immer soz. im Raum stand und ich es einfach irgendwie nicht ertragen konnte, habe ich den Kontakt erst mal abgebrochen. Es war auch vorher kein wirklich enger Kontakt, aber bei Familienmitgliedern finde ich sowas schon immer hart.
Ich weiß ja auch irgendwie, dass es letztendlich die eigene Unsicherheit/Inkompetenz der Person ist. Trotzdem tut's halt weh.
Ich wollte fragen, ob jemand sowas ähnliches erlebt hat, vor allem mit Familie. Und wie geht ihr damit um, so dass es euch gut geht? Ich fühl mich manchmal, als hätte ich mit dem Kontaktabbruch etwas schreckliches getan...
Ich finde irgendwie, dass das zum Thema "Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten" passt, sie wollten halt ein Kind, das mit der "richtigen" Hand schreibt...
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  #13  
Alt 18.08.2017, 07:50
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 503
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Liebe Dorothy,
ich selbst habe vor mehr als 10 Jahren den Kontakt zu (fast) meiner gesamten Familie abgebrochen. Dabei habe ich auf Anraten meiner damaligen Psychiaterin gehandelt ("Distanz von Ihrer Familie bedeutet für Sie Gesundheit!"), meine Familie ist aber auch... spezieller, ich wahrscheinlich auch.
Anfänglich war es zumindest schwierig, auch werden wir ja darauf "getrimmt", gute Familienmenschen zu sein, selbst in die populäre Kultur schwappt es rein, dass "der verlorene Sohn" irgendwann zurückkehrt. Es scheint mir also nicht nur ein "persönliches schlechtes Gewissen" zu sein, sondern auch ein soziales, ein Gefühl der Schuld, was man hat, wenn man gegen die vermittelten Werte unserer Gesellschaft verstößt. Das macht die Sache nicht einfacher.
Wenn echter Mist passiert ist (ich kenne das auch selbst und aus anderen Generationen meiner Familie), wird man nie eine Entschuldigung erwarten können. Man darf ja auch nicht vergessen, dass das Gedächtnis formbar bleibt, zwei Leute erinnern sich schon zutiefst unterschiedlich und dann kommt die "Retusche", die vielleicht sogar Lebenslang am Werk ist. Wir denken gern, unser Gedächtnis sei eine Mediathek: es wird abgespeichert und archiviert, aber es ist eher wie Metternichs Zettelarchiv: kreative Änderungen sind die Regel, nicht die Ausnahme. So können sich Leute oft nicht daran erinnern, wenn sie etwas verbockt haben. In dem von Dir genannten Beispiel wirst Du denken, dass die von Dir genannte Person sich verstellt hat, und Dir die Unwahrheit sagt. Das ist nicht ausgeschlossen, aber es könnte auch sein, dass die Person sich aufgeplustert hat, weil ihr der Dialog anders ankam und der Mensch sich nicht erinnern konnte und auf den für ihn unvorbereiteten Vorwurf des Missbrauchs/ der mangelnden Förderung entsprechend reagiert. Wie man solche Situationen aber aufklärt (zumal wenn sich die Gegenpartei der Problematik des flexiblen Bewusstseins nicht bewusst ist und daher auf "ihrem Recht" (und der angeblich fälligen Entschuldigung) besteht... tja, wenn ich das wüsste, hätte ich vielleicht mittlerweile zu mehr Familienmitgliedern wieder Kontakt... aber vielleicht auch nicht.
Übrigens macht diese Flexibilität des Gedächtnisses die unter missbräuchlich agierenden Tätern verbreitete Technik des Gaslightings (https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting) so perfide.
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  #14  
Alt 18.08.2017, 21:26
Dorothy Dorothy ist offline
 
Beiträge: 68
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Liebe Rikka,
vielen Dank für deine Nachricht!
Es bedeutet mir viel zu lesen, dass es auch andere gibt, die diesen Schritt/ diese Schritte gehen mussten.
Und es stimmt auch was du sagst, dass man so eine Art "soziales schlechtes Gewissen" bekommt, weil es einfach so ein Tabu ist. Und ich fühle mich da auch oft "schuldig", obwohl ich ja nichts Verbotenes getan habe. Ich glaube es ist, weil ich weiß, dass durch mein Verhalten andere Menschen jetzt verletzt sind. Allerdings war es eben vorher umgekehrt, mit Aufrechterhaltung des Kontakts wurde ich immer wieder verletzt. Ich hoffe immer, dass ich eines Tages innerlich so stark sein werde, dass mich deren Verhaltensweisen nicht verletzen werden. Dass ich dann wieder Kontakt haben kann, weil ich akzeptieren kann, dass diese Menschen eben einfach so sind und nichts von ihnen erwarten.
Aber im Moment sieht es gar nicht danach aus. Ich war schon immer emotional, aber durch die RS ist mir noch so einiges mehr hochgekommen...
Den Satz "Distanz von Ihrer Familie bedeutet für Sie Gesundheit." werde ich mir gut merken, danke dafür! <3 Leider kann das sehr wahr sein.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich den letzten Teil verstanden habe. Meinst du, die Person hat meine Frage als Vorwurf aufgefasst? Ich habe lediglich gesagt: "Sag mal, habe ich eigentlich als kleines Kind irgendetwas mit links gemacht?" Von LH war nicht die Rede, da wusste ich selbst noch nicht, dass ich eine bin. Ich hatte nur darüber gelesen und habe Informationen gesammelt. Es hat mich halt gewundert wie schnell die Antwort kam, eigentlich müsste man über sowas, was jahrzehntelang zurückliegt, doch erst mal nachdenken und wie "gereizt" die Person plötzlich am Telefon wirkte. Die Stimmung hatte sich irgendwie plötzlich verändert und das fand ich auffällig.
Da wirkte auch mich so, als ob die Person gewusst hätte worauf ich hinaus wollte und es abblocken wollte. Das wäre ja ganz schön manipulativ...
Gaslighting ist mir leider ein Begriff.
Naja, letztendlich kommt es auch nicht darauf an. Es ist mir eben so im Gedächtnis hängen geblieben. Zum Glück hab ich genug Fotos auf denen am linken Daumen nuckle usw. und auch auch ein paar mehr Erinnerungen, z.B. wie ich die Zahnbürste in der "anderen" Hand halten wollte und nicht durfte. Und folglich ewig brauchte, um das Zähneputzen zu lernen.
Danke noch mal für deine Nachricht. :-)
__________________
Keine Beleidigung würde mich so treffen, wie ein misstrauischer Blick von einem meiner Hunde.
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  #15  
Alt 18.08.2017, 22:23
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 503
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Liebe Dorothy,
gern geschehen!
Ich denke, selbst der drastische, von uns durchgeführte Schritt ist vielleicht gar nicht mal so selten, wie man allgemein denkt. Viele Familien sind weit gestörter als man glauben möchte. Das Ideal der perfekten Familie ist sehr stark und das Bild von der eigenen Familie, die auch so sein soll wird vor Fremden immer aufrecht erhalten. Und manchmal vielleicht auch von einem selbst. Meine Mutter war ziemlich sauer auf mich, dass ich je eine/n PsychiaterIn/PsychologIn aufsuchen wollte, mein psychisches Leiden hin oder her. Aber ich müsste ja mit "Fremden über Familienangelegenheiten sprechen, die die nichts angehen!" Ich habe natürlich auf die Schweigepflicht aufmerksam gemacht, aber sie empfand allein die Tatsache, dass ich eine Therapie in Erwägung zog als einen Verrat an der ihr schuldigen Loyalität.
Und so: ja, es könnte in der Tat sein, dass sich die andere Person angegriffen gefühlt hat, einfach, weil Du jetzt noch mal die Kindheit anspricht. Die war doch gefälligst glücklich! Manchmal kann man gar nicht so schrägt denken, wie die Leute es tun, obwohl ich immer versuche, in alle Richtungen zu denken...
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  #16  
Alt 18.08.2017, 22:59
Willi Willi ist offline
 
Beiträge: 85
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Das Phänomen der äußerst verdächtig schnellen abwehrenden Antworten auf persönliche Themen (bzw. die Tatsache, dass man selbst in eigener Sache Nachforschungen anstellt) kommt mir leider sehr bekannt vor. Ebenso wie die Neigung, darin einen Vorwurf zu sehen. So schnelle Antworten lassen wahrscheinlich nur den Schluss zu, dass das jeweilige Thema eine verdrängte Vorgeschichte hat.

Das mag viel damit zu tun haben, dass die Lateralisation genetisch bedingt ist und umgeschulte Händigkeit deswegen in den allermeisten Fällen ganze Familienstrukturen betrifft. Sozial sowieso, aber zumeist eben auch durch ULH-Elternteile (plus Teile der restlichen Verwandschaft). Wenn dann ein Mitglied der jüngeren Generation die eigene Händigkeit infrage stellt rührt das logischerweise an Befindlichkeiten der anderen, die das Problem vielleicht kennen, vielleicht verdrängt haben, vielleicht aktiv an einer Umschulung mitgewirkt haben, zumindest aber in diesem Moment emotional gefordert sein dürften.

Ein bisheriger "RH" der plötzlich zum ULH wird rüttelt nachvollziehbarerweise oft am familiären Selbstbild. Falls nicht unklare Abstammungsverhältnisse vorliegen, können dann wohl kaum beide Elternteile echte RH sein. Einer Rückschulung eines Kindes gegenüber können so kaum alle Verwandten neutral gegenüberstehen, um es ganz vorsichtig zu sagen.

J.B. Sattler hat im "Knoten im Gehirn" passend geschrieben, dass die Haltung vor allem anderer ULH zum Thema umgeschulte Händigkeit/Rückschulung oft in einem Leugnen der Relevanz bis hin zu aktiven Bekämpfung besteht.
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  #17  
Alt 18.08.2017, 23:02
Dorothy Dorothy ist offline
 
Beiträge: 68
Reden AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Hihi, Rikka, ja das stimmt, so schräg kann man gar nicht denken.
Vielleicht war's ja auch gar nicht so, das war halt meine Wahrnehmung der Sache. Vielleicht hatte die Person auch nur so eine unbewusste Ahnung, dass an dem Thema was dranhängt und hat deshalb instinktiv abgeblockt. Oder es war so wie du gesagt hast.
Ich bin jedenfalls so froh, dass ich das hier schreiben konnte, denn dadurch ist mir bewusst geworden, wie egal es für die Sache ist. Bin so oder so LH.

Vielleicht hast du recht und es gibt mehrere, die so einen Schritt gehen mussten. Deshalb habe ich hier ja auch darüber geschrieben. Manchmal muss es eben sein.
Das Bild der perfekten Familie... das wurde bei uns auch nach außen hin immer erhalten. Der Druck dafür ist ja auch so groß...
Als ich besagter Person nachdem ich den Händigkeitstest gemacht hatte und schon 3 Monate in der RS war dann endlich gesagt habe, dass sich herausgestellt hat, dass ich LH bin und ich jetzt eine RS mache, da dachte ich, ich überbringe eine freudige Botschaft. Ich dachte die andere Person freut sich, dass es mir dann vielleicht bald besser gehen wird. Aber leider wurde ich dann runtergeputzt und als dumm bezeichnet. So etwas wie sich selber umschulen gäbe es nicht und ich wäre RH und auf einen "Betrug" der Psychologin reingefallen.
Das hat dann erstmal echt wehgetan, aber ich hab dann endlich verstanden, dass da eben keine Unterstützng zu erwarten ist. Deswegen bin ich so dankbar, dass es dieses Forum gibt und dass ich mich durchgerungen habe, mich hier anzumelden und dass du meine Beiträge gelesen hast.
Meine Welt ist gerade etwas besser geworden...

Wie hast du denn den Kontaktabbruch anderen erklärt, wenn ich das fragen darf? Also, wenn z.B. jemand in der Arbeit fragt, ob ich meine Familie an Weihnachten gesehen habe, dann finde ich es immer etwas schwierig, darauf zu antworten, wenn ich mich der Person jetzt nicht anvertrauen will.
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Keine Beleidigung würde mich so treffen, wie ein misstrauischer Blick von einem meiner Hunde.
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  #18  
Alt 18.08.2017, 23:18
Dorothy Dorothy ist offline
 
Beiträge: 68
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Da triffst du genau ins Schwarze, Willi!

Es ist nämlich so, dass besagte Person, als sie von meiner RS erfuhr nicht nur dagegen war, sondern plötzlich anfing von sich zu sprechen, nach dem Motto: "Ach, was für ein Quatsch, dann wäre ich ja auch LH, weil ich beim Badminton manchmal auch mit links spiele, nur um mein Gehirn zu schulen und hmm, das klappt eigentlich ganz gut..."
Und ich dachte dann nur so, ja, aber es geht jetzt gerade nicht um dich, es geht um mich, jetzt sag doch was Unterstützendes, danach können wir ja immer noch deine Händigkeit besprechen.... Oder so ähnlich.
Ist ja schade, da hätten wir doch glatt gemeinsam die RS machen können... (Oder auch nicht schade, wenn ich so drüber nachdenke... ;-))
Das andere Elternteil hatte mir als Teenie mal gesagt, dass es und ich vielleicht LH wären, weil wir beide als Kinder wohl so einiges mit links gemacht hätten, aber jetzt wären wir halt RH. Damals wusste ich mit der Info nichts anzufangen. Ich dachte halt, wenn ich mit rechts schreibe, dann bin ich eben jetzt RH. Internet gab's noch nicht.
Ich hab's also eventuell von beiden Seiten.
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  #19  
Alt 19.08.2017, 08:05
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 503
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Lieber Willi,
na ja, so einfach ist das mit der Vererbung auch nicht... zwei Rechtshänder können durchaus ein linkshändiges Kind bekommen, nur sind die Wahrscheinlichkeiten dafür eher gering. Andersherum ist selbst bei zwei Linkshändern die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ebenso LH ist, bei ca. 25%. Die Regeln der mendelschen Vererbungslehre treffen auf die Lateralität nicht zu, es wäre möglich, dass das Watson/ Crick- Modell zutrifft, danach wäre es möglich, dass die Linkshändigkeit bei einem Großelternteil und dann bei einem (oder mehreren Enkeln) auftritt. Noch dazu kommen wohl epigenetische Faktoren dazu. Vererbung der Lateralität ist ein hochkomplexe Angelegenheit, was ja Teil des Problems ist.
Liebe Dorothy,
stimmt, dass Du für Dich den richtigen Weg gefunden hast, ist allemal zuerst das wichtigste. Natürlich kann man sich selbst umschulen: Mein Vater macht alles mit links, außer Schreiben, da er einer Generation angehört, bei der die Lehrer die Aufmerksamkeit noch physisch und mit dem Tafellineal eingefordert haben. Deswegen war bei uns Zuhause die Linkshändigkeit eher positiv belegt. Ich durfte Zuhause alles mit links machen, aber ich war auch schnell erschöpft und so habe so auch viel mit rechts agiert. Da war ich eben Beidhänder, das war kein Problem (außer, wenn ich eine Richtungsangabe wie "rechts" bekommen habe, da stand ich davor wie der Ochs´ vorm neuen Scheunentor). Auch in der Schule fing es normal an: Mal malte/ schrieb ich links, mal rechts. Aber ich war ein Außenseiter. Nur ein Freund war auf meiner Seite, der aber in der zweiten Klasse wegzog. Dann stieß ich immer mit den Ellenbogen meiner Mitschüler zusammen und es war doch nicht einzusehen, warum ich meinen Mitschülern das Leben schwer machen sollte, wenn ich doch genauso gut rechts schreiben konnte, wie alle anderen. Und so bin ich relativ spät "umgesattelt" (das Problem mit den "anstößigen" Ellenbogen als Grund für eine Umschulung scheint es häufiger zu geben und wahrscheinlich sogar heute noch). Was sich durchaus auf meine Rückschulung auswirkt: Schreibschrift ist gar kein großes Problem, seitdem die Feinmotorik einigermaßen da ist, aber Druckschrift (die ich in der zweiten Klasse noch nicht geschrieben habe) ist sehr schwierig für mich. Na ja, da Schreib- und Druckschrift ja wohl auch in zwei verschiedenen Hirnarealen verarbeitet werden (zumindest was die Motorik angeht), bin ich bei Druckschrift wirklich wie jeder andere Umschüler. Meine Schreibschrift (die ich ja schon als Kind auch mit links gelernt hatte), war nur "verschüttet".
Laut "Script" haben sich Familienmitglieder zu freuen, wenn jemand aus der Familie einen Weg gefunden hat, wie es ihm/ihr besser geht. Aber wenn es um das eigene Weltbild geht, fliegt das Script sofort aus dem Fenster. Wahrscheinlich ist es eher selten (oder sogar unmöglich) dass ein Mensch einen anderen Menschen mehr liebt als sein eigenes Selbstbild. Daher gibt es immer mal wieder Situationen, wo man sich selbst freut und denkt, andere würden sich für einen freuen und dann bekommt man einen Guss kaltes Wasser ins Gesicht. Am Schlimmsten ist ja noch, dass es keine Garantie dafür gibt, wer Recht hat (okay, beim Thema Händigkeit ist es ja recht eindeutig, aber es gibt ja noch massenhaft Beispiele, bei einigen hätte auch der Skeptiker recht). Das Leben legt es wirklich darauf an, uns Flexibilität zu lehren...
Fragen darf man eigentlich immer. Es kommt darauf an, wer fragt. Klar, am Anfang kommen ziemliche Kulleraugen, wenn man sagt, dass man Weihnachten nicht bei der eigenen Familie ist. Aber Leute, die mir nahestehen, wissen ja, dass ich schon lange den Schoß der Familie verlassen habe. Wenn ich flüchtige Bekannte oder eventuell Arbeitskollegen hätte und die mich nach Weihnachten fragen, würde ich eher unverbindlich antworten (sonst ist man ja gern mal das nächste Gesprächsthema und darauf lege ich wenig Wert): "Ach, Weihnachten, wie immer: zu viel gegessen, zu viel getrunken und man weiß nie, was man im Fernsehen sehen soll..." Man muss ja nicht lügen und die Frage danach, wie man zur eigenen Familie steht, ist ja schon ein wenig persönlich.
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  #20  
Alt 19.08.2017, 13:59
BarbaraS BarbaraS ist offline
 
Beiträge: 568
Standard AW: Liebe nur, wenn ich so war, wie sie es wollten

Stichwort Familie:

ab einem gewissen Alter, als Erwachsener finde ich es eigentlich recht normal, Weihnachten nicht mehr mit der Ursprungsfamilie in grösserem Maße zu verbringen. Und ich find auch nix dabei, wenn mir jemand sagt, er hätte Weihnachten z.B. nur mit Partner oder Kindern oder sonst wem verbracht. Gerade in der Zeit, wo heute jede zweite Ehe geschieden wird, ist es doch recht normal, auch mal einen Teil der Familie zu verlieren.

Ich würd nicht auf die Idee kommen jemand zu fragen, ob er Weihnachten mit Eltern oder Großeltern verbracht hat und ich hab auch kein Problem damit, zu sagen, wenn ich mit jemandem nicht besondern gut kann. Man muß doch die Hintergründe nicht ausrollen, ein Hinweis "ich kann mit dem/der nicht besonders gut" reicht doch vollkommen.

LG
BarbaraS
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