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  #1  
Alt 20.03.2017, 14:06
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 118
Böse Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Vorweg... ja, ich bin enttäuscht. Es hat mir emotional einen Dämpfer verpasst. Aber ich lasse mich nicht unterkriegen, nicht einmal von Experten.
Aber zurück zum Thema, Folgendes kam zur Sprache:
- Ähnlich wie Homosexualität ist ja auch die Händigkeit keine Erkrankung. Es besteht also auch kein Behandlungsbedarf. Die Krankenkasse zahlt das auch gar nicht. Nur wenn es einen speziell auf die Händigkeit bezogenen Leidensdruck gäbe, aber das sei bei mir ja nicht der Fall.
- Man kann rückschulen. Das empfiehlt sich aber nur bei handwerklichen Berufen, in denen die Gerätschaften für den Gebrauch einer Hand konzipiert sind. (Umschulung und Rückschulung wurden synonym gebraucht, um die Verwirrung geringer zu halten, tue ich das hier nicht). Bei mir wäre es sowieso egal, da ich ja aus dem Berufsleben ausgeschieden sei.
-Eine Rückschulung sei nichts anderes als Autofahren oder dergleichen zu erlernen: man würde etwas, das man normalerweise automatisch macht, eben noch mal machen, bewusster, bis es mit der anderen Hand genauso automatisch funktioniere. Mehr stecke nicht dahinter, nur eine Automatisierung von körperlichen Prozessen.
- Alle emotionalen Reaktionen sind nur mich persönlich betreffend. Es ist ein Teil meiner Erkrankung. Normalerweise lernt man einfach um und damit hat es sich.
- Ich als Rentnerin könne mir ja Zeit lassen, ich solle mich auf gar keinen Fall überfordern. Vor allem soll ich nur eine Sache zur Zeit machen: Gerade male ich mit links, alles andere soll ich so lassen wie bisher. Dann soll ich mir das nächste "Projekt" vornehmen, zum Beispiel Gemüseschneiden, bis ich jeden einzelnen Prozess auf links automatisiert habe. Wenn ich das langsam genug angehe, sollte ich keine Probleme bekommen.



Das ist meine Meinung: Es will mir scheinen, dass ich nicht ernst genommen und nicht verstanden wurde. Das fühlt sich bei einer Therapeutin nicht gut an, wäre aber kaum das erste Mal (okay, bei dieser Therapeutin schon). Auf eine Diskussion lasse ich mich gar nicht ein, ich habe zwar erzählt, was ich wo gelesen habe, aber seien wir ehrlich: Patient informiert sich: Dann hat er sich etwas in den Kopf gesetzt. Vor allem, wenn er sowieso einen Dachschaden hat. Also: Diskussion sowieso zweckfrei. Man kann einen Menschen, der überzeugt ist, nicht von etwas anderem überzeugen. Wenn zwei Meinungen aufeinander prallen, gewinnt nicht die Vernunft und auch nicht der Stärkere, sondern beide gewinnen (beide behalten recht) und verlieren (die gemeinsame Kommunikation). Die Studierten sind uns Patienten gegenüber sowieso in einer Machtposition.
Deswegen habe ich auch gar nicht erst gefragt, was für sie denn ein auf die Händigkeit bezogener Leidensdruck wäre. Ich schätze mal, eine Sehnenscheidenentzündung oder so. Die Psyche scheint in ihrer Welt mit der Händigkeit nichts zu tun zu haben.
Alle Probleme mit Händigkeit sind rein körperlicher Natur? Und lediglich "unbequem" oder wie habe ich das zu verstehen? Das ist meiner Erfahrung nach (und nach dem, was ich unter Anderem hier im Forum gelesen habe) absolut nicht der Fall. Das Körpergefühl, die Identität (sowohl als Person als auch als Frau in meinem Fall), das Welterleben, einfach alles ändert sich. Ich nehme die Welt anders wahr, ebenso meine Gefühle. Und das hat nichts mit meiner Erkrankung zu tun, da ich den Unterschied ebenso wahrnehme!
Eine Rückschulung ist nur das Automatisieren von Prozessen? Ernsthaft? Ich glaube, wenn man diese Meinung hier mal in die Runde wirft, hat der Großteil der Mitglieder Schaum vor dem Mund. Und meiner Meinung nach auch zu Recht. Hier wird aus einem ziemlich heftigen Eingriff eine Lappalie gemacht.
Sorry, aber entweder die meisten Menschen, über die ich hier und anderen Ortes gelesen habe sind ebenso krank wie ich (wow, das gibt einen Umsatz bei der Pharmaindustrie) oder die Umschulung hat eben auch "globale" psychische Folgen. Wenn ich mich nicht vorher informiert hätte (irrtümlich, sagte man mir, Psychotherapie sei absolut nicht nötig bei einer Rückschulung), säße ich jetzt in der Ecke, entweder verwirrt oder verzweifelt. Jetzt bin ich einfach nur etwas stinkig.
Jeden Prozess einzeln als "Projekt" anzugehen erscheint mir eher riskant: Da kommt eine neue Ordnung ins Gehirn und die Zeit, in der man die Dinge mal mit links, mal mit rechts erledigt (vor allem motorisch anspruchsvolle Tätigkeiten) sollte meinem laienhaften Empfinden nach nicht übermäßig ausgedehnt werden. Klar, man soll sich nicht überfordern, aber erst malen, dann Gemüseschneiden, dann schreiben etc. erscheint mit nicht als eine organische Vorgehensweise.

Ich will meine Therapeutin dabei gar nicht verurteilen, ich mag ihre Herangehensweise eigentlich sehr. Aber in Bezug auf Händigkeitsproblematiken scheint es selbst bei Psychologen und Psychiatern gewaltige Lücken im Wissen zu geben. Vielleicht, weil diese selbst Rechtshänder sind? Vielleicht, weil das das Thema in der Gesellschaft stark unterrepräsentiert ist? Vielleicht stoßen ja auch andere auf dieses Problem: der nächste Händigkeitsberater ist mindestens zwei Stunden Fahrt entfernt (und ich habe nicht mal ein Auto!) und man hat gelesen, dass man auf jeden Fall eine Betreuung durch einen Psychotherapeuten benötige. Dann versucht man es dort und... siehe oben. Da kann ich nur sagen: Gewarnt sein, aber sich nicht entmutigen lassen.
Vielleicht können berufenere Leute an dieser Stelle mal ein paar Gegenargumente fallen lassen. Ich jedenfalls mache weiter.
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  #2  
Alt 20.03.2017, 20:04
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 313
Lächeln AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Hallo Rikka,
nun ich habe tatsächlich bildlich gesprochen "Schaum vor dem Mund". Das klingt, als hätte Deine Therapeutin die Vorstellung, das sei nur eine Laune und Dein privates Vergnügen, wenn Du nun zu links zurückfindest.
Wenn ich dann allerdings vom ersten Wutanfall etwas zurücktrete, dann denke ich darüber nach, ob sie sich vielleicht auch insgeheim Sorgen macht, Du könntest Dir zu viel auf einmal zumuten und Dich überlasten? Ich bin da selbst so ein Kandidat: hab im anfänglichen Begeisterungssturm alles auf einmal umgestellt. Weil es sich erstmal leichter und stimmiger anfühlte, gleich alles "richtig herum" zu machen. Und das ist auch die eine Hälfte der Wahrheit, weil dann eben die "Aktionshand" immer links und die "Haltehand" immer rechts ist.
Die andere Hälfte der Wahrheit ist jedoch, dass die Umgewöhnung auch viel Kraft kostet und einiges im Kopf neu sortiert werden muss. Und da kann es eine Überforderung sein, gleich "alles auf einen Rutsch" umzustellen. Ich hab es daran gemerkt, dass mir auf einmal "einfach so" Sachen aus der linken Hand runtergefallen sind. Und ich wurde schrecklich dünnhäutig. Also habe ich - sehr unwillig - dann doch wieder einen Gang runtergeschaltet. Weniger geschrieben bzw. mehr am PC, wieder eine Runde Schwungübung täglich, erstmal mit rechts Brot aufgeschnitten bzw. meinen Freund das für eine Weile tun lassen. Und so haben sich die Bewegungsmuster mit links stabilisieren können.
Mein zweiter Vorname ist ja Ungeduld, daher habe ich hier im Forum auch immer fleißig gemotzt, aber inzwischen habe ich gemerkt, dass sich die behutsamere Vorgehensweise auf Dauer echt auszahlt. Da noch mal ein großes Dankeschön an die vielen freundlichen Hinweise, mit denen Ihr mich sanft gebremst habt

Puh, hoffentlich bringt Dir dieser Erfahrungsbericht ein wenig Trost und Ermutigung!
__________________
Lechts oder Rings
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  #3  
Alt 20.03.2017, 20:32
Marina Neumann Marina Neumann ist offline
 
Beiträge: 1.507
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Hallo Rikka,
es hätte mich, ehrlich gesagt, sehr gewundert, wenn Du etwas anderes von Deiner Psychotherapiesitzung berichtet hättest. Ich habe nichts anderes erwartet.
Deine Enttäuschung kann ich sehr gut nachempfinden und auch Deine Wut.
Leider wird die Problematik der UlH von der Wissenschaft immer noch nicht ernst genommen und die Idee, dass eine RS helfen könnte, erst recht nicht.
Vielleicht liest Du zum Trost mein Buch, in dem mit vielen Fallbeispielen das Leiden von ULH beschrieben wird. Gleichzeitig möchte es Erwachsenen, die sich für die RS entschieden haben, Mut machen, diesen Weg zu gehen.
Liebe Grüße von Marina Neumann
__________________
Dipl.-Psych. Marina Neumann
Psychologische Psychotherapeutin
www.linkerhand.de
Beratungsstelle für Linkshänder

Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
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  #4  
Alt 21.03.2017, 06:53
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 118
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Danke, Monja! Sicher, vor der Überbelastung muss man sich in Acht nehmen, und ich bin ja auch sehr ehrgeizig (na ja, welcher ULH ist das nicht!), aber zum Glück bin ich relativ geduldig. Da bekommt man auch Übung in der Psychiatrie: den größten Teil des Tages sitzt man herum. Kein Wunder, dass die Raucher alle Nikotinflecken auf den Fingern haben: es gibt ja sonst nichts zu tun. Also mache ich nicht alles mit links, vor allem kochen z.B. nicht. (Okay, einmal habe ich angefangen, die Zwiebeln mit links zu schälen, weil ich das Messer auf einmal in der Linken hatte, aber ich habe schnell gemerkt, dass die linke Hand (noch) schneller ermüdet als die rechte). Anfänglich habe ich immer nur ca. 2 Minuten "Gekritzel" gemacht, oft dabei noch etwas gelesen oder so, ich wollte nur eine entspannte Handhaltung üben. Hin und wieder musste ich aber auch ein Manga- Auge malen, weil die endlich über Ausdruck verfügen... Aber immer nur ein Auge, und das geht ja auch in 2 Minuten. Dann habe ich Schwünge geübt und die Sache auf 10 Minuten ausgedeht. Ab und an werfe ich jetzt auch mal einen Antistressball oder knete ihn, aber nicht lange. Gestern habe ich mal für eine Minute ein Schwert in der Linken gehabt. Und ein paar Zeilen schreiben (Spiegelschrift oder normal) mache ich jetzt auch. Auch mal ein bisschen länger malen, aber immer nur sehr gestenhaft, die Feinkontrolle ist einfach noch nicht da. Aber ich bin ja berentet und habe Zeit. Ich spiele viel am Computer, aber die Maus habe ich nicht umprogrammiert und das auch nicht vor, weil ich den Tipp aus dem Photoshop-Forum gut fand, das Tablet links und die Maus rechts zu führen. Das ist extrem praktisch und der Schreibtisch ist jetzt auch besser aufgeteilt, ich muss nicht ewig das Tablet wegräumen, wenn ich es nicht brauche, es hat seinen festen Platz nun links. Mein Körpergefühl ist viel besser geworden und ich neige weit weniger dazu, mit zu übernehmen. Aber die Aussage, Dinge mit links zu machen sei eine einfache Sache der Automatisierung... das hat mir doch ein wenig den Wind aus den Segeln genommen.
Marina, Du hattest so recht! Ich konnte mir das nicht vorstellen, ich war da doch immer noch sehr naiv. Du hattest mir ja exakt das prophezeit, doch es passte einfach nicht in mein Weltbild. Bitte nehme meine Entschuldigung an. Vielleicht bin ich auch in eine falsche Sicherheit gelockt worden, weil mein Mann so viel Verständnis hat, mich so unterstützt und sich so für mich freut. Da war ich einfach verwöhnt von einem sehr verständnisvollen RH (er hat sogar mal Spiegelschrift versucht, aber er fängt sogar den Satz von hinten an, für ein Diktat würde sich das nicht eignen. Und schnell schleichen sich "rechte" Buchstaben" ein). Zuhause war Linkshändigkeit eher positiv besetzt (Da Vinci, Einstein...). Das dies in der Gesellschaft nicht so ist, ist mir vorher nie so aufgefallen, es ist ja auch selten ein Konversationsthema. Ich habe selbst aus praktischen Gründen umgeschult und das Leiden der Linkshänder bricht mir das Herz. Aber irgendwann bin ich nicht mehr so dünnhäutig und komme weiter. Gerade bin ich so nah am Wasser gebaut, da ist es manchmal schwierig, so etwas Emotionales zu lesen.
Auf jeden Fall danke ich Euch! Ich bin auch nicht mehr so wütend, aber vielleicht realistischer.
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  #5  
Alt 21.03.2017, 10:05
Cathy77 Cathy77 ist offline
 
Beiträge: 52
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Hallo Rikka!

Ich habe keinen Schaum vorm Mund, weil ich so eine Denke von anderen ehrlich gesagt schon gewöhnt bin. Wenn man nicht in der Situation eines ULH ist, kann man einfach nicht nachvollziehen, was die nicht gelebte Händigkeit mit einem macht. Erkläre einem Blinden die Farben...


Ich habe ja schon mal das Beispiel meiner Tochter mit ihrem KISS-Syndrom erwähnt. Auch das ist wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht/ anerkannt und "Experten" zweifeln eine Wirksamkeit des "Einrenkens" an. Komisch nur, wie sich plötzlich nach der Behandlung bestimmte Dinge (motorisch, kognitiv) positiv entwickeln ohne dass es noch großer Einwirkung (Training oder Therapie) von außen bedarf. Ich sch... auf diese sogenannte Expertenmeinung, denn sie ist in meinen Augen auch nur eines - eine MEINUNG.

Genauso ist es mit der Rückschulung. Für mich war ganz klar, ab dem Zeitpunkt an dem mir bewusst wurde, dass ich wirklich linkshändig bin - ich lebe meine Händigkeit. Egal, ob das für irgendeinen Außenstehenden Sinn macht, die Mühe einer Rückschulung auf sich zu nehmen oder nicht. Ich hatte keinerlei "Leidensdruck" zu dem Zeitpunkt dieser Entscheidung, aber trotzdem war es für mich die logische Konsequenz aus dem Wissen um meine Händigkeit. Erst im Verlauf ist mir dann aufgefallen, dass viel mehr mit der Umschulung zusammenhängt, als mir jemals klar war. Meine orthopädischen Probleme, meine Phobien/ Ängste, mein Selbstbild/ Selbstwertgefühl, meine ganze Art zu denken und zu fühlen...

Die Linkshänderberaterin, bei der meine kleine Tochter und ich waren, riet mir langsam das umzustellen, was sich gut anfühlt. Ich muss gestehen, dass ich viele pseudorechtshändige Aktivitäten aktuell so lasse wie sie sind, weil sie im Grunde ja schon rechtshirndominant sind. Schreiben - das war eine der ersten Dinge, die ich begann umzustellen, ziemlich schnell auch auf der Arbeit, obwohl die Schrift noch nicht so toll war. Egal.
Bestimmte Dinge, die ich rechtshändig mach(t)e und bei denen ich ständig an meine Grenzen gestoßen bin, ohne zu verstehen wieso, die stelle ich um und das ist eine wirkliche Erleichterung. Beispielsweise an der Nähmaschine nähen... was für eine Freude, nicht mehr Schweißausbrüche zu bekommen, weil ich rechten Fuß und Hände dabei nicht koordiniert kriege. "Kaum macht mans richtig, schon klappts..."

Nur eine Frage der Automatisierung.... diese Aussage finde ich wirklich vorschnell. Denn was ist mit der Kreativität beim Schreiben, Malen, bei der Musik???? Die Technik, die Bewegungsabläufe sind automatisiert,ja gut, aber das ist doch lange nicht alles, was dabei zählt. Eigentlich ist der Zugang zu seinem Inneren bei diesen automatisierten Bewegungen das Wesentliche dabei.

Für mich ist das Ziel zu mir zu finden. Nicht jemand anderes zu werden, der weniger Probleme hat... sondern einfach das "echte" Ich.
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  #6  
Alt 21.03.2017, 17:09
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 118
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Liebe Cathy,
ja, ich glaube ich war ein wenig naiv. Sicher, dass man mit den Ärzten mal aneinander gerät (einmal musste ich mit einer Klage wegen Freiheitsberaubung drohen, um das Krankenhaus verlassen zu dürfen), aber ich dachte immer, es gäbe halt in jeder Kiste ein paar faule Äpfel. Aber dieser Grad an Unwissenheit... ich meine, zum Thema ULHs gibt es ja einiges an Material, selbst wenn man nur ein interessierter Laie mit einem Internetzugang ist.
Ich muss gestehen, dass ich erst einmal nach "KISS Syndrom" suchen musste, das kannte ich noch gar nicht. Letztlich hilft es Deiner Kleinen, und das ist ja wohl das Entscheidende.
Ja, ich stelle erst einmal nichts um, ich mache nur Übungen: Ein bisschen Malen, ich fange gerade erst an, etwas zu schreiben und einen Stressball werfen. Morgen will ich mal sehen, wie es jetzt mit Plastillin klappt. Man muss sich an alles erst einmal herantasten, Menschen sind ja doch um einiges individueller als die Medizin das gern hätte...
Ich bin auch der Meinung, dass sich das Denken, vor allem die Kreativität komplett ändert. Ich bin auch nicht mehr so unsicher und depressiv. Ich habe einmal gelesen, dass LHs und RHs sich genauso sehr unterscheiden wie Frauen und Männer. Ich habe ja immer gesagt, dass ich gern mal für einen Tag ein Mann sein würde, einfach um zu erfahren, wie es ist, als Mann zu denken und zu fühlen. Nun mache ich gerade eine recht ähnliche Erfahrung durch, will mir scheinen. Ich würde ja denken, dies sei ein Fall von "be careful what you wish for", wenn es sich nicht so wunderbar anfühlen würde!
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  #7  
Alt 21.03.2017, 21:02
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 313
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Hallo Rikka,

finde ich prima, dass Du da bei Dir selbst bleibst und tust, womit es Dir gut geht. Das ist doch bereits ein guter Erfolg, wenn es so klar wahrnehmbar ist.

Ich hatte bereits vor Rückfindungsbeginn Kontakt zu einer Therapeutin, die von ihrer Grundhaltung sehr wertschätzend ist, ohne einen jedoch komplett in Watte zu packen. Jedenfalls war sie sehr erstaunt über das Händigkeitsthema, hat dann allerdings eher interessiert nachgefragt, wie es mir damit geht und sich darauf eingelassen. Das war für mich sehr hilfreich, da ich frei berichten konnte und sie einfach wertschätzend reagiert hat und wirklich hilfreiche Fragen stellte. Mir war es wichtig, die "Selbstumschulung" im Gesamtzusammenhang zu betrachten - ich muss die Dinge verstehen damit ich damit umgehen kann.

Allerdings war es auch sehr wichtig, hier im Forum und soweit es geht im persönlichen Umfeld Erfahrungen auszutauschen, denn wirklich verstehen, was das bedeutet "falschherum" zu agieren, dass kann tatsächlich nur jemand, dem es so ergangen ist.

Das scheint aber nicht nur bei "Umgeschulter Händigkeit" ein Problem zu sein. Ich habe währenddessen nämlich entdeckt, dass ich auch eine Synästhesie habe - bei sehr starken Gefühlsregungen nehme ich zusätzlich zur Umgebung einen transparenten Farbschleier wahr, je nach dominantem Gefühl eine andere Farbe. Ich dachte früher, das sei irgendeine Wahrnehmungsstörung. Tatsächlich ist es allerdings einfach eine seltene natürliche Variante der Wahrnehmung, im Hirn wird bei Gefühlen zusätzlich auch das Sehzentrum aktiviert. Andere Menschen sehen beispielsweise Buchstaben farbig - A immer rot, B immer blau etc. Als ich das meiner Therapeutin erzählte, wusste sie auch erstmal nix damit anzufangen. Dabei dachte ich, Fachleute würden so etwas wie Synästhesie kennen. Das scheint allerdings nicht so zu sein.

Gibt es da vielleicht einfach zu viele natürlich vorkommende Spezialfälle bei Menschen? So dass eine einzelne Fachkraft gar nicht den kompletten Überblick haben kann? Ich frage das ganz ernsthaft, da ich bei ihr nicht den Eindruck hatte, sie würde die Themen abtun, sondern sie wirkt immer sehr interessiert.
__________________
Lechts oder Rings
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  #8  
Alt 21.03.2017, 21:31
Rikka Rikka ist offline
 
Beiträge: 118
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Liebe Monja,
na ja, ich bin ein Dickschädel... und ich werde großartig von meinem Mann unterstützt. Das hilft immens.
Ich habe natürlich das Problem mit meinem Gemisch aus Diagnosen. Erstens finden sich die Mediziner selbst schon nicht mehr zurecht und dann bin ich ja auch Psychotikerin... denen glaubt man oft nicht. Jetzt nicht, dass jemand meint, ich würde lügen, aber Wahrnehmungen, Empfindungen und dergleichen werden schnell als "subjektive Empfindung" abgetan. Und was soll man da auch machen? Es gibt ja keine Vergleichswerte... außer, dass mein Mann merkt, dass ich viel fröhlicher und belastbarer bin (er hat schon spekuliert, ob sich meine Krankheit total verliert, was ich eher nicht glaube. Selbst wenn die Umschulung der einzige Grund für meine Erkrankung sein sollte (und wer weiß das schon?) gibt es Dinge, die man nicht rückgängig machen kann). Aber wie kann ich das objektiv beweisen? Und auch, dass es nicht einfach eine ganz normale stabilere Phase ist (die ich auch seit Jahren nicht mehr hatte)? Vielfach kommt es mir so vor, als liefe ich im Dunkeln durch einen Dschungel, der vielleicht gar nicht da ist.
Das ist meines Erachtens nach das große Problem mit Psychosen (okay, die Episoden selbst sind auch kein Zuckerschlecken): "Normalos" glauben, dass man sie demnächst ermordet oder ihre Kinder frisst (Danke, Hollywood!) und Ärzte halten alles, was man sagt eher für irrelevant, weil man's sich wahrscheinlich einbildet oder es ist ein Placebo- Effekt oder das kommt mit der Krankheit... und das Gruselige dabei: Ich kann mich auf meine Wahrnehmungen doch auch nicht verlassen! Damit war ich lange ziemlich allein, aber mittlerweile habe ich mich mit anderen Leuten ausgetauscht und stelle fest, dass es oft jemanden gibt, der genau weiß, was man meint und durchmacht. Deswegen bin ich auch so dankbar für dieses Forum.
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  #9  
Alt 22.03.2017, 01:01
Peter77 Peter77 ist offline
 
Beiträge: 65
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Hallo Rikka,

ich werde manchmal auch nicht erst genommen. In einem solchen Moment lohnt sich "neuronale Reibung". Also ein verbales "Bumm".

Rechtshänder können mit sowas nicht umgehen.

Viele Grüsse,
Peter.
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  #10  
Alt 22.03.2017, 02:28
Monja Monja ist offline
 
Beiträge: 313
Standard AW: Das sagte die Therapeutin zur Rückschulung

Liebe Rikka,
das ist natürlich eine besondere Herausforderung! Ich habe schon Menschen kennen gelernt, die sich mit psychotischen Schüben herumschlagen durften. Man entwickelt da so eine grundsätzliche Skepsis seinen Wahrnehmungen gegenüber, echt schwierig. Schlimmer finde ich allerdings, wenn Dinge dann vom Fachpersonal nur als "Symptom" abgetan werden und man sich gar nicht mehr die Mühe gibt, dem nachzugehen. Ich empfand diese Menschen nämlich häufig als sehr reflektiert, wenn sie grad keinen Schub hatten, und als durchaus in der Lage Dinge selbstkritisch zu reflektieren. Vielleicht sogar in stärkerem Maße als jemand, der solche außergewöhnlichen Erfahrungen nie verarbeiten musste. Aber ich bin auch keine Fachfrau in dem Bereich, vielleicht ist es schwerer für Leute, die ihre Klienten ja selten im normalen Alltag erleben, sondern eher in Situationen, wo sie Hilfe brauchen. Könnte schon sein, dass das den Gesamteindruck verzerrt, denke ich.
__________________
Lechts oder Rings
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